Josefine und die sanitären Einrichtungen

Josefine und die sanitären Einrichtungen

Josefine und die sanitären Einrichtungen

Der Campingplatz lag in Igel, ebenfalls auf der linken Uferseite. Über eine Brücke konnte man Konz auf der linken Moselseite erreichen. Konz war das Ziel der nächsten Etappe von Nittel aus.

»Anmeldung in der Gaststube» stand auf dem Schild an der Rezeption.
Am Tisch saß ein Mann und aß ein Schnitzel mit Pommes. Er sah hoch und starrte die beiden Reutlinger Urlauber an. Wortlos. Die Wirtin hinterm Tresen sah nicht freundlicher aus.

*

Ich glaube, wir stören, dachte Josefine. Egal. Wir bleiben. »Haben Sie einen Platz für uns und unseren VW-Bus?“, fragte sie.
Der Mann mit dem Schnitzel starrte weiter.
»Fahren Sie da vorne an dem Rezeptionshäuschen rechts und dann am Ende links. Da können Sie sich einen Platz aussuchen.» Sie zapfte Bier. »Die Sanitäranlagen sind hier hinten.» Sie zeigte mit einer Kopfbewegung in eine Richtung, in der die Toiletten sein musste. Gut, dachte Josefine, verabschiedete sich und ging zurück zum Bus.

Der Mann schien sein Schnitzel inzwischen vergessen zu haben. Er sah Josefine nach. Mit einem Blick, als hielte er sie für nicht ganz zurechnungsfähig.

*

Ziemlich weit weg von den sanitären Einrichtungen, dachte Josefine skeptisch, als Tom den Bus da abgestellt hatte, wo die Wirtin sie hingeschickt hatte. Josefine dachte daran, wie es wohl sein würde, wenn sie nachts mal raus müsste. Wenn sie mit dem VW-Bus unterwegs waren, genoss sie die kuschelige Wärme, die Nähe des Mannes, den sie liebte, seinen vertrauten Duft, die Berührungen im Bus fast noch mehr als zu Hause. Das mochte daran liegen, dass sie ihr Bett im Bus untrennbar mit dem Gefühl von Urlaub und Freiheit verband.

Und natürlich schlief sie im Bus auch besser. Keine trüben Gedanken, keine Probleme, die sie tagsüber nicht hatte lösen können, keine Grübeleien. Aufstehen? Bloß das nicht. Auf keinen Fall, bevor die Sonne aufgegangen war, bevor die ersten Vögel sich zu einem Konzert auf den umliegenden Bäumen trafen. Um dem Morgenkonzert der gefiederten Campingplatzbewohner zu lauschen, lohnte es sich aufzustehen. Vorher aber auf keinen Fall. Klar, dass Josefine sich auch ihre Notdurft so lange wie möglich verkniff. Wenn es dann sein musste, musste es sofort sein. Vom Aufstehen bis zum Klo blieb ihr nicht viel Zeit.

*

Im Notfall gibt es ja immer noch das Portapotti, beruhigte Josefine sich.
Sie beobachtete Tom, der gerade damit beschäftigt war, die Räder vom Fahrradträger zu montieren.
Oder ich fahre mit dem Rad, dachte sie erleichtert. Dann bin ich auf jeden Fall schnell genug.

 »Einen Penny für deine Gedanken», lachte Tom, der Josefines Minenspiel beobachtet hatte, während er mit den Rädern beschäftigt war. Sie hatte die Stirn gerunzelt, die Augenbrauen zusammengekniffen, sich umgesehen, die Mundwinkel nachdenklich nach unten gezogen und dann unvermittelt gelächelt und den Kopf geschüttelt. In Toms Kopf war bereits ein Comicstrip entstanden. Er liebte Comics und zeichnete gern. Im letzten Bild würde er seiner Heldin eine leuchtende Glühbirne auf den Kopf setzen.

*

»Och …», sagte Josefine und zögerte. »Ich bin nicht sicher, ob die so gesellschaftstauglich sind.»
»Jetzt erst recht», lachte Tom. Die Räder waren abgeladen und standen neben dem Bus. Bereit für die erste Tour. Er setzte sich auf den Campingstuhl und sah seine Frau abwartend an.

 

»Also das ist wegen dem Klo», begann sie. »Weil der Weg so weit ist. Da hab ich mir Gedanken gemacht, ob ich … wie ich … also nachts … » Josefine begann zu stottern.

Wie albern, dachte sie. Das war doch die natürlichste Sache der Welt. Darüber konnte man doch reden. Und erst recht mit dem Mann, mit dem man Tisch und Bett teilte.
»Mit dem Rad schaff ich es sicher», strahlte sie dann.
»Das ist der Stoff, aus dem Comics gemacht werden …»

Tom hatte eine neue Idee. Vielleicht sollte er über die Tour einen Camper-Comicband zeichnen.
»Nein, du wirst doch nicht etwa …»
»Doch …» lachte Tom, schnappte sich Block und Bleistift und begann zu zeichnen.
»Untersteh dich …» Josefine drohte ihm erst mit dem Finger, dann lief sie zu ihrem Mann und versuchte, ihm den Bleistift aus der Hand zu nehmen. Tom hielt mit der linken Hand zunächst ihr Handgelenk fest und zog sie mit der anderen an sich. Den Bleistift hatte er längst fallen lassen. Er nahm sie in den Arm und sah ihr in die dunkelblauen Augen. So lange, bis sie aufhörte zu zappeln. Dann lockerte er den Griff und strich ihr eine vorwitzige Strähne aus der Stirn, streichelte ihre Wange und ließ seine Finger weiter nach unten wandern. Josefine stieß einen tiefen Seufzer aus.

*

»Minna …», stammelte sie. »Ich muss doch noch Minna versorgen, sagte sie, weil sie fand, dass hier vor dem Bus im Blickfeld der anderen Camper nicht der richtige Ort für die Gefühle waren, die ihre Knie gerade weich werden ließen. Minna war die Schildkröte. Und die begleitete Josefine und Tom überall hin. Auch beim Campen.

Den Comicstrip, den Tom plante, hatte Josefine inzwischen vergessen.

*

Der Bereich für die Durchgangscamper hatte etwa zehn Stellplätze, schätzte Josefine. In der Beschreibung des Platzes waren fünfundzwanzig angegeben. Tatsächlich waren außer Josefine und Tom nur drei andere Camper da. Das waren zwar nicht viele, aber immer noch zu viele für die Dinge, die ihr gerade durch den Kopf gingen. Dafür brauchte sie kein Publikum.
Sie seufzte also noch einmal tief und baute Minnas Gehege direkt hinter dem Bus auf.

Die Schildkröte sah Josefine aufmerksam an. Ich würde auch weggucken, sagte ihr Blick.

»Nee, nee», lachte Josefine und strich dem Tier mit dem Zeigefinger über das Köpfchen. »Für manche Dinge braucht man auch keine Schildkröte.»

Und dann kletterte sie Tom hinterher in das Innere des Busses.

*

(Eine Fortsetzung folgt diesmal nicht. Jedenfalls nicht für Publikum)

Eichen statt kranker Eschen

Eichen statt kranker Eschen

Eichen statt kranker Eschen

Die Esche stirbt, die Eiche übernimmt: Der Reutlinger Stadtwald stellt sich neu auf – auch in Degerschlacht. Mit mehr Licht, Vielfalt und Zukunft im Blick soll der Wald widerstandsfähiger werden. Gemeinderätin Sylvia Kühbauch stellte den Bericht der Stadt Reutlingen in der jüngsten Sitzung des Degerschlachter Ortschaftsrats vor.  Der unterstützt den Weg einstimmig.

Degerschlachter Wald bekommt Unterstützung: Eichen statt kranker Eschen

Der Reutlinger Kommunalwald steht vor einem Wandel. Aufgrund des flächendeckenden Eschentriebsterbens, verursacht durch einen Pilzbefall, hat sich der Bestand an Eschen in den letzten Jahren halbiert. Die Folgen sind nicht nur für die Forstwirtschaft, sondern auch für das ökologische Gleichgewicht deutlich spürbar.

Ein neuer Schwerpunkt: Eichen für mehr Licht und Leben

Im Rahmen eines langfristigen Waldentwicklungskonzepts setzt die Stadt Reutlingen nun auf Eichen. Diese Baumart lässt mehr Licht auf den Waldboden, was die Entwicklung einer vielfältigeren Flora und Fauna begünstigt. Ein strukturreicher, naturnaher Mischwald ist das Ziel – widerstandsfähig und zukunftssicher.

Reutlingen im landesweiten Vergleich gut aufgestellt

Im Vergleich zu Land und Bund steht Reutlingen mit seinem Forstbetrieb sehr gut da. Der Baumartenmix ist bereits heute vielfältig, wodurch die Risiken durch Krankheiten oder Klimaveränderungen besser abgefangen werden können. Die Umstellung auf Eichen ergänzt diese Strategie sinnvoll.

Keine invasiven Arten – ein gutes Zeichen

Erfreulich ist, dass es im Reutlinger Stadtwald bislang keine nennenswerten Probleme mit invasiven Arten gibt. Das ist in Zeiten des Klimawandels und zunehmender globaler Verflechtungen keine Selbstverständlichkeit und spricht für die naturnahe Bewirtschaftung.

Ausbildung mit Zukunft

Neben der ökologischen Entwicklung spielt auch die Nachwuchsförderung eine Rolle: Die Stadt Reutlingen bildet im eigenen Forstbetrieb weiterhin junge Menschen aus – ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Sicherung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Degerschlacht radelt wieder – beim Stadtradeln 2025

Degerschlacht radelt wieder – beim Stadtradeln 2025

Degerschlacht radelt wieder – beim Stadtradeln 2025

Am Sonntag geht es los: Im ganzen Landkreis Reutlingen startet die Aktion Stadtradeln, bei der in drei Wochen möglichst viele Alltags- und Freizeitkilometer mit dem Fahrrad gesammelt werden. Auch Degerschlacht ist wieder mit einem eigenen Team dabei – „Degerschlacht radelt“.

Ich hab mich angemeldet

Ich habe mich gerade eben angemeldet. Mit mir sind wir jetzt drei im Team. Nicht viel, aber ein Anfang. Und es wäre schön, wenn es noch ein paar mehr würden. Der Aufruf kam über die WhatsApp-Gruppe „Marktplatz Degerschlacht“, wo jemand ganz unkompliziert dazu eingeladen hat, mitzuradeln:

„Herzliche Einladung an alle, die gerne für längere oder kürzere Strecken in die Pedale treten: Es gibt ein Team für Degerschlacht, ‚Degerschlacht radelt‘. Einfach anmelden unter www.stadtradeln.de/reutlingen und das Team auswählen – dann drei Wochen lang Kilometer sammeln.“

Das habe ich getan. Und obwohl wir am kommenden Wochenende gar nicht in Degerschlacht sind, sondern in Köln – ein paar Kilometer werden trotzdem zusammenkommen. Denn beim Stadtradeln zählt jeder Kilometer, ganz gleich wo er gefahren wird. Hauptsache, es ist das Fahrrad und nicht das Auto.

weil ich die Aktion einfach klasse finde

Ich finde diese Aktion einfach gut. Sie ist unkompliziert, macht Spaß und lenkt den Blick auf ein wichtiges Thema: Wie bewegen wir uns im Alltag fort – und wie könnten wir es vielleicht ein bisschen klimafreundlicher tun?

Es geht um den gemeinschaftichen Gedanken

Beim Stadtradeln geht es nicht nur um sportlichen Ehrgeiz, sondern vor allem um den gemeinschaftlichen Gedanken: Jede*r zählt, jede Strecke zählt. Wer sich anmeldet, kann die gefahrenen Kilometer entweder per App erfassen oder einfach online nachtragen. Das motiviert – und macht sichtbar, wie viel im Alltag mit dem Fahrrad möglich ist.

Degerschlacht radelt eben auch

Vielleicht werden wir dieses Jahr kein riesiges Team. Aber darum geht’s nicht. Es geht darum, mitzumachen. Ein Zeichen zu setzen. Und Degerschlacht auf der Landkarte des Stadtradelns sichtbar zu machen. Wer Lust hat, kann sich jederzeit anmelden – die Teilnahme ist kostenlos, der Einstieg jederzeit während der drei Wochen möglich.

Also: Wer steigt mit auf den Sattel?

Hier geht’s zur Anmeldung: www.stadtradeln.de/reutlingen
Team: „Degerschlacht radelt“

Eure Eulalia, die Degerschlachter Eulenfrau

Ultrawandern – 171 km in 48 Stunden

Ultrawandern – 171 km in 48 Stunden

Ultrawandern – 171 km in 48 Stunden

Ultrawandern auf dem Kölnpfad – Martin Störk aus Degerschlacht ist unterwegs auf 171 Kilometern in 48 Stunden

Ende Juni wird es spannend: Von Donnerstag, 26. Juni bis Sonntag, 29. Juni nimmt der Degerschlachter Martin Störk an einer ganz besonderen Herausforderung teil: Ultrawandern auf dem Kölnpfad. In maximal 48 Stunden sollen unglaubliche 171 Kilometer rund um Köln zu Fuß zurückgelegt werden.

Ich gehöre zum Versorgungs- und Betreuungsteam vor Ort und werde in dieser Zeit nicht nur mit Wasser, Obst und aufmunternden Worten helfen, sondern auch mit Notizen, Tonaufnahmen und Videos.

Ab nächste Woche veröffentlichen wir auf Degerschlacht-News.de regelmäßig kleine Podcasts und kurze Videobeiträge  mit Einblicken in die Vorbereitung, Eindrücken vom Start, Live-Berichten von der Strecke und Momenten des Mitfieberns veröffentlichen. Für alle, die Lust haben, diesen außergewöhnlichen Weg mitzuverfolgen – und vielleicht ein wenig mitzuzittern. 

Wird er es schaffen? 
Ich sage: Wenn die Füße mitspielen, die Gesundheit, er unterwegs keinen Fehltritt und damit seine Zehen riskiert, wird er es schaffen. Das Zeug dazu – Willen und Ausdauer, die Beine, die ihn im vergangenen Jahr auch schon 100 km in 24 Stunden getragen haben – also das hat er.

Warum das auf diese Seite gehört? Weil wir Degerschlachter sind. Und wenn Nachbarn sich auf den Weg machen – sei es per Rad oder auf eine ultralange Wanderstrecke – dann gehört das genau hierher.

Also: Ab nächste Woche reinhören, reinschauen – und mitlaufen (… zumindest in Gedanken)

Eure Eulalia, die Degerschlachter Eulenfrau

Auch ein Weg von 171 km beginnt mit dem ersten Schritt
Sprachnachrichten

Sprachnachrichten

Sprachnachrichten

„Man kann über alles reden – nur nicht über fünf Minuten.“
(gehört in einer klugen Rede, behalten fürs Leben)

 

Mögt ihr Sprachnachrichten?

Ich mag sie. Manchmal. Wenn sie von meinem Sohn kommen. Dann freu ich mich, seine Stimme zu hören. Ich würde mich vermutlich auch freuen, wenn sie von meinem Mann kämen. Aber den seh ich eigentlich täglich. Ich vermisse seine Stimme also eher selten.

Sprachnachrichten von Menschen, die mir nahestehen, die ich nicht so oft sehe, genieße ich. Aber da geht es meist nicht um die Inhalte, sondern einfach hauptsächlich um ein echtes Lebenszeichen: Die Stimme eben. Ich höre, wie sie klingt, ob sie glücklich klingt oder eher bedrückt, ob da Begeisterung mitschwingt – oder ob es doch eher Sorgen sind, die den Klang der Stimme prägen.

Aber dann gibt es da noch die anderen Sprachnachrichten. Die von Kunden, Geschäftspartnern. Menschen, die während ihrer Fahrt von irgendwo nach woanders schnell noch Infos zum laufenden Projekt loswerden wollen.

Sprachgeschäfte zwischen Kaffee und Kuchen?

Sprachnachrichten abzuhören ist oft schwierig. Ich finde es unhöflich, Sprachnachrichten abzuhören, wenn andere Leute mit am Tisch sitzen. Außerdem weiß ich ja auch nicht, was der Sprachnachrichten-Sender mir mitteilen möchte. Vielleicht ist es ja auch vertraulich.

 Und dann gibt es noch die Menschen, die ewig lange reden. Manchmal sind es in meiner WhatsApp in diesem Chat dann sogar mehrere Sprachnachrichten untereinander. Weil die Person zwischendurch Pausen gemacht hat.

Da sind sie dann, meine Probleme: Muss ich mir die komplette Viertelstunde Zeit nehmen, um alles anzuhören? Womöglich ist die wichtigste Information am Schluss?

Vorne – Mitte – Hinten? Nochmal!

Und dann war eine wichtige Information am Anfang, eine irgendwo in der Mitte. Und – natürlich – kurz vor Schluss. Leider hatte ich am Ende vergessen, was meine Kundin am Anfang gesagt hat. Hat sie nun gesagt, sie hätte eher am Mittwoch Zeit oder meinte sie, dass Mittwoch der einzige Tag sei, an dem sie keine Zeit hat?

Hör ich mir das Ganze also nochmal an? Ok – sie sagt, der Dienstag passt ihr besser. Aber was war es nun, was sie am Ende der Nachricht gefragt hat? Also nochmal anhören.

Heute Morgen bekam ich wieder so eine Sprachnachricht. Länge: Vier Minuten. Nein, dachte ich. Das hör ich mir jetzt nicht alles an. Es muss doch die Möglichkeit geben, die Sprachnachricht in Text umzuwandeln. Gibt es auch. Aber im Android-Smartphone geht es nur, wenn der Sprachtext in Englisch, Spanisch, Portugiesisch oder Russisch ist. Deutsch ist noch nicht vorhanden.

Ha! Ich hab eine Idee: Ich leite die Sprachnachricht an das iPhone meines Mannes weiter. Da funktioniert es. Auch in Deutsch.

Ich geh dann jetzt lesen.

Sagt Eulalia, die Eulenfrau aus Degerschlacht