Wirbel um Starkregen-Risikomanagement

Wirbel um Starkregen-Risikomanagement

Aus dem Ortschaftsrat: 

Wirbel um Starkregen-Risiko-Management

Jede Menge Diskussionspunkte gab es zum Konzept des Starkregen-Risikomanagements der Stadt. Thema waren unter anderem die Risikogebiete in Degerschlacht. Mit dem Beschlussvorschlag, das Handlungskonzept zur Kenntnis zu nehmen, waren die Räte ganz und gar nicht einverstanden, so lange die Vorgehensweise der Stadt nicht geklärt ist. „Hier geht es an den Geldbeutel jedes Einzelnen“, so die einstimmige Meinung.

„Starkregen-Risikomanagement ist Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund, Kreis, Land, Stadt und Bürger“

Starkregen-Risikomanagment, Infrastrukturanpassung in Folge des Klimawandels standen auf der Tagesordnung bei der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch.

Extremwetter und Starkregenfälle sorgen in Reutlingen immer wieder für Probleme, wenn Straßen unter Wasser stehen oder Keller überflutet werden.

Auch Degerschlacht hatte in der Vergangenheit die Auswirkungen von Extremwetterlagen zu spüren bekommen. Hagelstürme haben großen Schaden angerichtet und auch Starkregenfälle haben  Spuren hinterlassen.

Infrastrukturanpassung der Stadtentwässerung Maßnahme für Starkregen-Risikomanagement

Die Stadt plant deshalb eine Infrastrukturanpassung der Stadtentwässerung als Maßnahme für ihr Starkregen-Risikomanagement.

Oberbürgermeister Thomas Keck und Baubürgermeisterin Angela Weiskopf hatten deshalb Anfang des Monats zu einer Informationsveranstaltung die Bezirksgemeinderäte und interessierte Bürger eingeladen, bei der sie ihr Handlungskonzept zum Starkregen-Risikomanagement vorstellen wollten.

Präsentation über Inhalte der Infoveranstaltung

Auch aus Degerschlacht waren Mitglieder des Ortschaftsrates der Einladung gefolgt.

Weil das Thema sicherlich auch für die Degerschlachter Einwohner interessant sein dürfte, stand es auf der Tagesordnung für den öffentlichen Teil der Sitzung am Mittwoch.

Die Räte hatten dazu ein 20seitiges Dokument erhalten, über das sie abstimmen sollten. Georg Billich hatte die offiziellen Folien der Stadt mitgebracht, mit der auch während der Veranstaltung ermittelte Risikobereiche präsentiert, geplante Aktionen sowie der Zeitplan dafür vorgestellt wurden.

Veränderungen der Temperaturverteilung

Unter dem Thema „Gemeinsam stark – Reutlingens Antwort auf Extremwetter“, hatte Müller über die Veränderungen der Temperaturverteilung berichtet. „Die Kurve ist verschoben“, erklärte Billich anhand einer Grafik. Die zeigte deutlich, dass es inzwischen weniger kalte Tage, dafür aber mehr heiße gebe als früher. Die mittleren Bereiche seien in etwa unverändert. Mehr Wasser, mehr Regenfälle seien die Folge.

Eigenverantwortung im Mittelpunkt des städtischen Konzepts

Eigenverantwortung stehe im Konzept der Stadt im Mittelpunkt, berichtete der stellvertretende Bürgermeister Georg Billich. Die Bevölkerung könne eine Menge selber tun, berichtete er von den Maßnahmen, die Müller in seinem Vortrag vorgestellt hat. Er stellte Maßnahmen vor, die den Wassereintritt verhindern könnten, wie beispielsweise Lichtschächte abzusichern, Kellerabgänge erhöhen und drucksichere Türen zu installieren. Wo der Wassereintritt nicht verhindert werden könne, solle man empfindliche Dinge sichern und eventuell die Nutzung dieser Bereiche so anpassen, dass der Schaden, der entstehen könnte, nicht so groß sei.

Neubauten sollten außerhalb der Risikogebiete entstehen. Hier sollten die Strukturpläne wie Flächennutzung und Bauleitplanung angepasst werden.

Künftig Überflutungsnachweis auch für Grundstücke unter 800 Quadratmeter erforderlich

Künftig soll die Abwassersatzung dahingehend geändert werden, dass auch für Grundstücke, die kleiner sind als 800 qm ein Überflutungsnachweis erforderlich sei, wenn dort gebaut oder umgebaut würde. Um diesen Überflutungsnachweis zu erhalten, muss gewährleistet sein, dass hier maximal 20 Liter pro Sekunde pro Hektar in die Abwasserkanäle abfließt. Auf  den Grundstücken seien deshalb Einrichtungen erforderlich, die das Regenwasser entsprechend zurückhalten, wie beispielsweise Zisternen, die leer bleiben, so lange es keine Starkregenfälle gibt, so dass sie in jeder Situation genügend Regenwasser aufnehmen könnten. Ein Durchlassventil soll dann dafür sorgen, dass das Wasser geregelt in Kanäle abfließt.

Die nächsten Schritte der Stadt seien nun eine Machbarkeitsstudie, Termine, eine Zeitschiene soll festgelegt, Kosten geplant werden.

„Starkregen-Management ist eine Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund, Kreis, Land, Stadt und Bürger“, seien die abschließenden Worte des Stadtentwässerungs-Fachmannes gewesen, so Georg Billich abschließend.

Auch Degerschlacht betroffen

Auch über Risikogebiete in Degerschlacht sei gesprochen worden, berichtete der stellvertretende Bürgermeister Georg Billich von der Infoveranstaltung der Stadt über das Starkregen-Risikomanagement, das er am 7. November besucht hatte.

Ein Risikobereich sei hier vor allem die Zeilstraße. 

Risikobereich Zeilstraße

Eine Möglichkeit sei es hier, den Graben in diesem Bereich zu erweitern, weil der das Oberflächenwasser dort nicht mehr schlucken könne, berichtete Ute Dunkl. Doch bisher sei es daran gescheitert, dass die Eigentümer die Flächen, die dazu nötig wären, nicht hergäben.

Die Bezirksbürgermeisterin regte nochmal einen Ortstermin an. „Vielleicht fällt uns ja vor Ort noch etwas ein, was man machen kann“, schlug sie vor.

Aktuell 1000 Liter pro Sekunde Durchlauf

Der bisherige Ausbau habe durchaus schon etwas gebracht, berichtete Axel Walker. Aktuell könnten dort nun 1000 Liter pro Sekunde durchlaufen. „Mehr ist aber nicht möglich“, weiß Walker aus seiner Erfahrung als Bauleiter im Tiefbau. Eine Außenerweiterung wäre gut.

„Im Grunde ist in dem Gebiet nur noch ein Haus betroffen“, berichtete Ute Dunkl. „Ein Mäuerle würde da schon viel bringen“, ist sie überzeugt.

Die Anwohner in der Zeilstraße haben selbst schon viel in die eigenen Hände genommen. Bei Hochwassergefahr werden alle Nachbarn per WhatsApp-Gruppe informiert. Wer da ist, hilft, die dafür vorgesehenen Halterungen an der Straße mit Dielen zu bestücken, so dass das Wasser an den Häusern vorbeischießen kann, ohne Schaden anzurichten.

Leiblestraße Risikogebiet?

Auch die Leiblestraße sei als Risikogebiet eingeschätzt worden, berichtete Georg Billich „Hier hat es aber noch nie Probleme mit Starkregen gegeben“, waren sich die Räte einig.

Wo das Wasser wann und in welcher Stärke fließe, würde anhand der Topographien errechnet“, erklärte Axel Walker. „Im Bebauungsplan steht auch, dass das Wasser von den Feldern über die Käthe-Kollwitz-Straße, das Grundstück, auf dem das Pflegeheim gebaut werden soll bis zum Friedhof fließen würde“, sagte er. Doch hier habe es noch nie Probleme gegeben.

„Wir sind doch hier kein Hochwassergebiet!“

„Wir sind doch hier kein Hochwassergebiet“, fand Ute Dunkl die Maßnahmen für Degerschlacht auch eher etwas übertrieben und hatte damit die volle Zustimmung ihrer Räte.

Ob es Probleme bei Extremwitterungen wie Starkregen gebe, hänge in erster Linie auch von der Flächenbeschaffenheit und der Oberflächengestaltung ab, weiß Jörg Maurer aus seiner täglichen Arbeit als Landschaftsgärtner. Dies gelte es bei der Neuregelung der Satzung zu berücksichtigen. „Bei uns auf dem Grundstück ist selbst bei dem Hagelsturm 2013 alles versickert“, berichtet er.

 

„Es trifft jeden Einzelnen am Geldbeutel“

Viel Zündstoff bot das geplante Handlungskonzept der Stadtentwässerung für das Starkregen-Risikomanagement, das der stellvertretende Ortschaftsratsvorsitzende Georg Billich am Mittwoch während der Sitzung vorstellte. Die Räte sollten darüber abstimmen, dass sie es zur Kenntnis genommen hätten. Ob sie mit dem, was die Stadt hier vorgelegt hat, einverstanden seien, stand nicht zur Debatte.
Und das waren sie ganz und gar nicht.

Überflutungsnachweis künftig auch für kleine Grundstücke?

So wie es die Vorlage vorsieht, soll künftig ein Überflutungsnachweis auch für Grundstücke erforderlich sein, die kleiner als 800 Quadratmeter sind.

„Das bedeutet, das künftig jeder, der ein bebautes Grundstück hat und hier eine Nutzungsänderung einen Umbau oder einen Neubau plant, diesen Nachweis vorlegen muss“, erklärte Axel Walker. „Es waren so viele Leute auf der Infoveranstaltung, Ingenieure, Architekten, Fachleute – warum ist das niemandem aufgefallen?“, wunderte sich Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl.

„Warum ist das niemandem aufgefallen?“

Eine Erklärung hatte niemand. Vielleicht sei den Besuchern die Tragweite nicht klar gewesen oder die zwei Sätze auf der Folie seien einfach untergegangen in der Flut der Informationen.

Walker war es aufgefallen, als er die Baugenehmigung für ein Degerschlachter Unternehmen mit einer Grundstücksgröße von weniger als 800 Quadratmetern bei der Stadt beantragen wollte. Der Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, dass hier zunächst ein Überflutungsnachweis vorgelegt werden müsse. Walker hatte Einspruch eingelegt. Die aktuelle Fassung der DIN-Norm für die Grundstücksentwässerung aus dem Jahr 2016 sehe eine Pflicht zu Überflutungsnachweisen für Kanalisationssysteme ab einer Grundstücksgröße von 1000 Quadratmetern vor. Walkers Einspruch wurde schließlich zwar stattgegeben, einen Überflutungsnachweis muss der Unternehmer aber dennoch vorlegen. „Dadurch entstehen dem Bauherrn nun  enorme zusätzliche Kosten im fünfstelligen Bereich“, berichtete er.

Änderung der Abwassersatzung geplant

Die DIN-Norm sieht aber auch vor, dass die Gemeinden in ihrer Abwassersatzung andere Bedingungen festlegen können.

„Und genau das plant die Stadt jetzt in ihrer Infrastrukturanpassung der Stadtentwässerung“, so Walker und findet „Die Stadt macht es sich da ziemlich einfach, wenn sie die Verantwortung auf die Grundstückseigentümer abwälzt.“

Rückhalteräume erforderlich

In den Anforderungen an Überflutungsnachweise wird erklärt, was der Bauherr zu tun hat, damit Starkregen keinen Schaden anrichten kann. Von Rückhalteräumen wie Rückhaltebecken ist da die Rede. Und dass eine Ableitung auf öffentliche Flächen (Straßen) oder Nachbargrundstücke nicht zulässig sei. Aber nach der DIN-Norm seien eben nur große Grundstücke betroffen. Wortwörtlich ist hier zu lesen „Ausnahmen gelten für kleine Grundstücke mit bis zu 800 Quadratmeter abflusswirksamer Fläche.“ (https://www.sieker.de/fachinformationen/article/ueberflutungsnachweise-nach-din-1986-100-556.html)

„Ein normaler Bürger hat den Platz doch gar nicht“

Ein normaler Bürger habe den Platz für solche Maßnahmen doch gar nicht, waren die Räte sicher. Und: „Es trifft jeden einzelnen heftig am Geldbeutel“, gaben sie zu bedenken.

Richtig überzeugt davon, dass die Stadt tatsächlich vorhat, diese Verpflichtung auch für kleine Grundstücke einzuführen, waren die Räte dennoch nicht. Auch wenn es genau so auf der Folie angegeben war: Sie konnten es sich einfach nicht vorstellen. Deshalb wollte sich Ortsvorsteherin Ute Dunkl auf jeden Fall noch mal bei einem Termin mit der Stadt erkundigen, was die Stadt hier tatsächlich geplant habe.

„Verhindert Schaffung von Wohnraum“

„So lange dieser Punkt nicht geklärt ist, können wir dem Beschlussvorschlag nicht zustimmen“, so die Meinung von Thomas Fuhr. „Wir können in vielen Punkten mitgehen, aber da ist der Haken.“

Damit hatte er die Räte hinter sich. „Es verhindert die Schaffung von Wohnraum“, war die einhellige Meinung.
Der Beschlussvorschlag wurde deshalb mit einer Stimme Enthaltung abgelehnt. (stö)

 

 

„Die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen“

„Die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen“

Brigitte Frey: Abschied in den Ruhestand. 

„Die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen“. 

„Wir stämmen alles in Degerschlacht“, so das Resumee der Leiterin des Degerschlachter Kinderhauses, Brigitte Frey, wenn sie an die vergangenen 30 Jahre zurückdenkt. Am Ende des Monats verabschiedet sie sich nach 30 Jahren in den Ruhestand.

Eigentlich hätte die Erzieherin bereits zum 1. Februar 2023 in Rente gehen können. „Ich wollte aber einfach noch etwas fertig machen und mein Team gut begleiten“, erklärt sie. „Eine Situation wie diese – das Auflösen einer Einrichtung und der Aufbau einer neuen – hat ja noch keiner von uns je erlebt.“

So viele Erinnerungen

Nach 30 Jahren hat sie nun ihr Büro aufgeräumt und an ihre Nachfolgerin übergeben. Es sei ihr schwer gefallen, sagt sie. So viel hat sich in all den Jahren angesammelt, so viele Erinnerungen. Sie fühlt sich mit Degerschlacht verbunden. „Ich hab schließlich so viele Familien begleitet“, so die Erzieherin.

 „Inzwischen erlebe ich die nächste Generation“

Sie habe sich immer gefreut, etwas von ihren ehemaligen Schützlingen zu hören, ein bisschen an ihrer Entwicklung teilhaben, ihren Lebensweg verfolgen zu können.

„Inzwischen erlebe ich die nächste Generation“, berichtet sie, denn manche ihrer ehemaligen Schützlinge bringen nun als Eltern ihre eigenen Kinder ins Kinderhaus.

 „Am Anfang mit 81 Kindern im Rathaus“

Degerschlacht ist etwas Besonderes. „Am Anfang waren wir mit 81 Kindern im Rathaus“, erinnert sie sich. Eine Gruppe traf sich in den Räumen, die tatsächlich dafür vorgesehen waren, eine im Sitzungssaal. Das habe sie fasziniert. „Eine Gemeinde, die ihr Rathaus für die Kinder des Ortes öffnet – das ist einfach etwas Besonderes“, findet sie.

Immer viel Unterstützung erhalten

Alle Bürgermeister, die sie während ihrer Zeit hier kennengelernt hat, hatten immer ein offenes Ohr, wenn es um die Kinder ging. Das habe sie beeindruckt und letztendlich veranlasst, länger zu bleiben, als sie eigentlich musste.

Auch von der Elternschaft und dem Elternbeirat habe sie viel Unterstützung erhalten. Und nicht nur das: Auch die Vereine waren immer dabei, wenn Hilfe gebraucht wurde.

„Ich wollte immer ein Teil dieser Gemeinschaft sein“, so die Erzieherin. „Die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen.“

2008 Umzug in den Kindergarten Am Wasserturm. (Archivbild)

 Projekt Bildungshaus

„Doch wir hatten trotz allem immer zu wenig Plätze“, erinnert sie sich. Deshalb war sie sofort begeistert, als im Jahr 2000 das Projekt für einen Kindergarten am Wasserturm mit offenem Konzept und offener Arbeit ins Leben gerufen wurde.

Degerschlacht sollte einen zweiten Kindergarten bekommen. Mit dem Modellprojekt „Schulanfang auf neuen Wegen“ sollte hier ein „Bildungshaus“ entstehen. Insgesamt 37 Einrichtungen sollten dieses Konzept einführen.

Zweiter Kindergarten am Wasserturm

Das Projekt startete unter der Federführung des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer und alle – Eltern, Kinder und Erzieher – arbeiteten aktiv daran mit.

2008 wurde der Kindergarten in der Martin-Knapp-Straße geschlossen. Die Kinder zogen in das „Am Wasserturm“ um.

Einweihung der Kinderkrippe in der Martin-Knapp-Straße (Archivbild)

Erste Einrichtung mit städtischer Krippe für Kinder von 1 bis 3 Jahren

Damit hatte das Degerschlachter Kinderhaus nun zwei Standorte: die Krippe in der Martin-Knapp-Straße und den Kindergarten am Wasserturm.

„Wir waren eine der ersten Einrichtungen in Reutlingen, die eine städtische Krippe für Kinder von 1 bis 3 Jahren angeboten haben“.

 

 

Bildungshaus mit Kindergarten und Krippe – eines der ersten in Deutschland

Das pädagogische Konzept sah eine enge Zusammenarbeit mit der Auchtertschule vor. „Wir waren nun ganz in der Nähe, was natürlich vieles einfacher machte“, erinnert sich Brigitte Frey. „Ein Bildungshaus mit Kindergarten und Krippe – damit hatten wir fast in ganz Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal“, erzählt sie und man merkt ihr an, dass ihr die Arbeit viel Freude gemacht hat.

Container als Übergangslösung

Doch auch der Kindergarten am Wasserturm kam bald an seine Grenzen. Wieder gab es mehr Kinder als Plätze vorhanden waren. Als Übergangslösung wurde dann ein Container bei der Auchtertschule aufgestellt. Doch das fand die Erzieherin „war keine gute Lösung.“ Die Kinder hätten die Trennung nicht gut verkraftet. „Ich war froh, als es uns gelungen war, wieder alle unter einem Dach betreuen zu können.“

Die Bauarbeiten für das neue Kinderhaus schreiten voran. (Archivbild)

Ein neues Kinderhaus – Umzug Anfang 2025

Nachdem dann die Neuapostolische Kirche in der Schinkelstraße abgerissen war, konnte der Umbau für ein neues Kinderhaus endlich begonnen werden. Bis dahin werden die Kinder in einer Interimseinrichtung in Orschel-Hagen betreut. Bis zum Umzug Anfang des kommenden Jahres werden sie täglich mit dem Bus aus Degerschlacht abgeholt und nachmittags wieder zurückgebracht.

 An veränderte Situation angepasste Betreuungszeiten

Die familiären Situationen haben sich verändert, weiß Brigitte Frey. Die Mütter sind beruflich engagierter als noch vor 30 Jahren, dafür sind auch die Väter inzwischen sehr viel mehr in die Erziehung der Kinder einbezogen und entscheiden sich oft sich während einer Elternzeit aus dem Beruf auszuklinken.

Die Kinderhaus-Leiterin ist froh, dass sie den Eltern mittlerweile an die neue Lebenssituationen angepasste Betreuungszeiten anbieten kann. „Und Frühstück und Mittagessen gibt es für die Kinder auch“, erzählt sie.

 Ohne ein gutes Team gehts nicht

Ohne ein gutes Team könne man als Leiterin aber nichts ausrichten, so Brigitte Frey. Mit einigen ihrer Mitarbeiterinnen arbeitet sie schon seit vielen Jahren zusammen, manche sind erst seit kurzem dabei. „Wir haben eine gute Mischung“, sagt sie. Das Team biete einen bunten Strauß für Kinder und Eltern. „Für jeden gibt es so jemanden, der zu ihm passt.“

Der neue Beruf: Rentnerin

Ab Dezember 2024 ist Brigitte Frey dann tatsächlich im Ruhestand. Ihre Pläne?
„Die ersten vier bis sechs Wochen mach ich erstmal Urlaub. Ganz ohne Ziele“, verrät sie. Ausschlafen wird sie, Zeitung lesen, die Weihnachtszeit mit Söhnen und Enkeltochter mitgestalten.

Ab Mitte Januar hat sie geplant, will sie sich in ihren neuen Beruf, Rentnerin, einarbeiten. Wie genau diese neue Tätigkeit dann aussehen wird? „Keine Ahnung“, sagt sie und schmunzelt. „Das findet sich.“

Worauf sie sich besonders freut: Zeit zu haben für die Familie, die teils in London und teils auch in Italien wohnt, Freunde zum Frühstücken treffen.

Was sie sich wünscht: Auch weiterhin immer wieder mal etwas über die Entwicklung „ihrer“ Kinder zu erfahren. (RS)

Von Degerschlacht fast bis Wannweil in der Dämmerung

Von Degerschlacht fast bis Wannweil in der Dämmerung

Albverein Degerschlacht – Familiengruppe

In der Dämmerung von Degerschlacht bis fast nach Wannweil

„Wir wollen Spuren hinterlassen“, erklärte Heidrun Seifert von der Hauptstelle des Schwäbischen Albvereins in Stuttgart geheimnisvoll und rührte eine Mischung aus Waschpulverbasis an, die im UV-Licht sichtbar war, sobald es dunkel wurde. Damit schrieben die Kinder kleine geheime Botschaften auf die Steine des Degerschlachter Spielplatzes, bevor sie sich zu einer gemeinsamen Dämmerungswanderung auf den Weg machten.

Der Schwäbische Albverein hatte die Degerschlachter Familien dazu eingeladen.

„Wir möchten die Degerschlachter dabei unterstützen, hier eine Familiengruppe aufzubauen“, erklärte die Albvereinsmitarbeiterin. Das Angebot richte sich an alle, die Freude daran hätten, sich draußen zu bewegen, gemeinsam Abenteuer mit Gleichaltrigen in der Natur zu erleben, erklärte sie.

Eine Familiengruppe für Degerschlacht

Die Dämmerungswanderung, die jetzt am Sonntag gleich nach dem November-Vollmond stattgefunden hat, war ein gutes Beispiel dafür, was hier auch künftig für Familien mit Kindern in Degerschlacht geboten sein wird.

Die kleine Wanderung über die Felder, vorbei an der Feldscheune von Thomas Fuhr und in einem großen Bogen zurück zum Spielplatz in Degerschlacht war super organisiert.

Eine Geschichte mit Krähe und Maus in der Dämmerung 

Die Kinder lauschten einer Geschichte von einer Maus, die mit einer Krähe zusammengestoßen war und mussten dann in der Dämmerung Mäuse suchen, die sich unter dem Laub gut versteckt hatten.

Je dunkler es wurde, desto schwerer waren auch diejenigen, die nicht gerade in leuchtendem Orange gekleidet waren, zu sehen. Sie durften sich hinter Bäumen verstecken und waren dort mucksmäuschenstill. Doch am Ende waren schließlich alle wieder beisammen.

Hans-Knecht-Straße ebenfalls problematisch

Kurz vor Wannweil ging es durch den Wald, wo Heidrun Seifer kleine präparierte Mandarinenschalensternchen ausgelegt hatte, die mit UV-Licht im Dunklen richtig funkelten und den Abenteurern den Weg wiesen.

Später gab es Knicklichter und am Ende sogar Fackeln.

Manche Bäume waren mit Lichterketten geschmückt und der Blick im Dunklen über die Lichter Wannweils war wunderschön.

Nächstes Abenteuer: Sonnenwendfeier

Das Abenteuer hat den Kindern mit Sicherheit so gut gefallen, dass sie gern beim nächsten Event des Albvereins wieder dabei sind.

Das nächste Abenteuer in Degerschlacht findet auch wieder auf der Wiese beim Spielplatz bei der Festhalle statt: Die Sonnenwendfeier startet hier am 21. Dezember um 16.30 Uhr.

Wer mehr über die Albvereinsfamilie wissen möchte, findet die Familiengruppen unter
https://familien.albverein.net/familiengruppen-uebersicht
Das Jahresprogramm gibt es auf
www.albvereinsfamilie.net

Abstimmung mit „Nein, weil …“ und „Ja, aber …“

Abstimmung mit „Nein, weil …“ und „Ja, aber …“

Lärmaktionsplan.

Abstimmung mit „Nein, weil …“ und „Ja, aber …“

„Ich bin für Lärm zuständig und nicht für Sicherheit“, erklärte Gerhard Lude, Abteilungsleiter Verkehr beim Amt für Stadtentwicklung und Vermessung bedauernd, als er die Fortschreibung des Lärmaktionsplans während der Ortschaftsrats-Sitzung am vergangenen Montag, 21. Oktober im Degerschlachter Rathaus vorstellte.

In der ersten Phase des Lärmaktionsplans wurde eine Geschwindigkeits-Begrenzung von Tempo 30 auf der Leopoldstraße zwischen der Hans-Knecht-Str. und der Leiblstraße beschlossen und eingerichtet.

Lärm in Osianderstraße und Jerg-Wurster-Straße ebenfalls im gesundheitskritischen Bereich.

Inzwischen, so Gerhard Lude, hätten Messungen ergeben, dass auch in Osianderstraße und Jerg-Wurster-Straße der Lärmpegel im gesundheitskritischen Bereich liebt. Deshalb soll die Tempo-30-Zone künftig auf diese beiden Straßen ausgedehnt werden. Darüber sollte der Bezirksgemeinderat nun abstimmen.

„Martin-Knapp-Straße war uns immer ein Anliegen“

Doch die Ortschaftsräte sind mit dieser Vorlage ganz und gar nicht zufrieden.

Ihnen gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Sie wünschen sich außerdem eine 30er Zone für die Martin-Knapp-Straße und die Hans-Knecht-Straße bis zum jeweiligen Ortsschild.

„Wir sind nicht begeistert“, erklärt Ortsvorsteherin Ute Dunkl. „Die Martin-Knapp-Straße war uns immer ein Anliegen.“ Der Weg zur Schule und Kindergarten geht über die Martin-Knapp-Straße. Sie sieht deshalb hier ein Sicherheitsproblem.

Hans-Knecht-Straße ebenfalls problematisch

Auch in der Kirchentellinsfurther und der Hans-Knecht-Straße sehe es nicht besser aus, sind sich die Räte einig. In dem Teilstück zwischen den Ortsschildern Sickenhausen und Degerschlacht sei Tempo 100 erlaubt. Abgebremst würde erst kurz vor der Kreuzung zur Leopoldstraße.

Lude bedauerte, für Sicherheitsprobleme nicht zuständig zu sein. In diesem Lärmaktionsplan gehe es um nur darum, gesundheitsschädlichen Lärm für die Anwohner zu vermeiden. Dass dies auch Auswirkungen für die Verkehrssicherheit habe, sei hier lediglich ein „Abfallprodukt“.

Häuser in der Martin-Knapp-Straße stehen nah beieinander

Axel Walker fand es allerdings auch durchaus möglich, dass auch die Lärmbelästigung in der Martin-Knapp-Straße nicht ohne sein dürfte. „Die Häuser stehen so nah beieinander“, erklärte er.

Doch hier reiche das Verkehrsaufkommen nicht aus, berichtete Lude. Messungen hätten ergeben, dass hier weit weniger als 4000 Fahrzeuge innerhalb 24 Stunden durchkämen. Diese Zahl war im Rahmen der Lärmkartierung für den Lärmaktionsplan festgelegt worden.

Viele LKW-Fahrer nutzten die Strecke Degerschlacht / Sickenhausen auch als Schleichweg, um Maut zu sparen.

 

„8000 Fahrzeuge müssen doch auch irgendwo wieder raus“

„Wenn 8000 Fahrzeuge in den Ort hineinfahren, müssen sie doch irgendwo auch wieder herausfahren“, gab Johannes Hägele zu bedenken.

Das klinge zwar logisch, so Gerhard Lude, doch für ein Lkw-Durchfahrtsverbot würde es vermutlich keine Genehmigung geben. Der Verkehr würde verlagert, andere Gemeinden dann mehr belastet. Das Problem würde lediglich in ein anderes Gebiet verschoben, aber wäre dadurch nicht gelöst.

RSV-Busse könnten möglicherweise Fahrpläne nicht einhalten

Er berichtete, dass viele Gemeinden sich die Tempo-30 von Ortschild zu Ortschild wünschten. Doch das lasse sich nur in den seltensten Fällen umsetzen. Ein Problem sei dabei vor allem der RSV-Busverkehr. Bei Tempo-30 könnten Busfahrpläne nicht eingehalten werden, es würden mehr Busse, mehr Busfahrer benötigt. Und das sei am Ende für die Stadt ein Kostenfaktor.

Möglich wäre es, wenn man eine Busfahrspur einrichten könnte, wo die Busse dann ungehindert fahren könnten. Doch dafür gebe es in Degerschlacht keinen Platz.

Abstimmung mit „Nein, weil …“ und „Ja, aber …“

Er empfahl den Räten, den Lärmaktionsplan mit einer Stellungnahme abzulehnen oder anzunehmen. „Entweder mit ‚Ja, aber …‘ oder ‚Nein, weil…“, erklärte er.

Die Maßnahmen, die jetzt festgeschrieben seien, würden aber in jedem Fall umgesetzt.

„Letztendlich entscheidet der Gemeinderat“, so Lude. „Aber es sei zumindest eine Möglichkeit, die Verantwortlichen noch mal zum Nachdenken anzuregen.“ Er stellte die Hoffnung in Aussicht, dass die Stellungnahme dann möglicherweise bei der nächsten Fortschreibung berücksichtigt werden könnte.

Die Räte stimmten der Fortschreibung des Lärmaktionsplans schließlich mit „Nein“ ab, weil ihnen die Maßnahmen nicht weit genug gingen. Zwei Stimmen waren dafür, weil sie befürchteten, dass es bei einem „Nein“ gar keine Erweiterung der Tempo-30-Zone geben könnte. (RS)

„Ruh dich aus, setz dich hin …“

„Ruh dich aus, setz dich hin …“

Eine Lesung mit Musik zum Ankommen, Aufatmen und Aufleben. 

„Ruh dich aus, setz dich hin …“ 

„Ruh dich aus, setz dich hin …“, sang Bernhard Kizler am Klavier und stimmte damit die Besucher des Gemeindehauses zu einem besonderen „Feierabend“ ein. „Lieblingsgeschichten | Hoffnungslieder“ mit Texten und Liedern „zum Ankommen, Aufatmen und Aufleben“ war der Titel der Veranstaltung, die von der evangelischen Kirchengemeinde Degerschlacht-Sickenhausen am 11. Oktober veranstaltet wurde.

Heimelige Atmosphäre 

Der Saal im Gemeindehaus war herbstlich geschmückt. Ein Lehnstuhl, eine Lampe für die Vorleser ließen den Raum heimelig erscheinen. Die Lieder von Bernhard Kizler, die er passend zu den jeweiligen Inhalten der Geschichten gewählt hatte, waren einfühlsam, mal sanft und mal stürmischer – je nach der Stimmung des Stückes und stammten allesamt aus seiner eigenen Feder.

Lieblingsgeschichten der Degerschlachter

Schon ein paar Wochen vorher hatte Carola Fuhr die Degerschlachter dazu aufgerufen, ihre Lieblingsgeschichten herauszusuchen und bei ihr abzugeben. Die Geschichten kamen zahlreich. „Mehr als wir an einem Abend tatsächlich lesen lassen

konnten“, freute sich Carola Fuhr darüber, dass nun auch noch genügend Stoff für einen weiteren Abend vorhanden wäre. „Der kommt ganz bestimmt“, versprach sie.

Das Programm war abwechslungreich. Es gab Liebesgeschichten, das Gedicht von Herrn von Ribeck zu Ribeck im Havelland und die Geschichte über ein ganz besonderes Brot.

Früher gab es Bahnwärterkühe

Wer bisher nicht wusste, dass Ziegen früher auch als „Bahnwärterkühe“ bezeichnet wurden, erfuhr das einer historischen Betrachtung über ein Bahnwärterhäuschen in Sigmaringen, das 1844 erbaut wurde. Und schließlich waren da als ganz besonderer Leckerbissen die Erinnerungen der 100jährigen Mathilde aus dem Schwarzwald. (RS)

Kinderhaus: Bauarbeiten gehen voran

Kinderhaus: Bauarbeiten gehen voran

Kinderhaus Degerschlacht:  

Bauarbeiten gehen voran.  

Inzwischen ist es ein Jahr her, dass die Bauarbeiten für den Erweiterungsbau des Kinderhaus Kätze-Kollwitz-Straße begonnen haben. Die Bauarbeiten gehen gut voran. Davon konnte sich Eulalia bei ihrem Spaziergang durch Degerschlacht am 10. Oktober überzeugen. Auf dem Zwischenbau entstehen ein Gründach und eine Photovoltaik-Anlage. Hier entsteht außerdem im Innenbereich Essbereich mit Küche Maler, Innenausbau und Elektriker arbeiten auf Hochtouren, damit die Kinder wie geplant zu Beginn des kommenden Jahres wieder zurück nach Degerschlacht kommen können.

Gründach, Photovoltaik und Essbereich mit Küche

Zehn Kinder unter drei Jahren und 35 Jungen und Mädchen ab 3 Jahren können hier dann künftig betreut werden, kann man auf der Facebook-Seite der Stadt Reutlingen lesen.

Derzeit werden sie täglich mit dem Bus nach Orscheln-Hagen gebracht und auch wieder abgeholt.