„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

Wo und wie in Reutlingen der erste „Deutsche Döner“ entstand und warum er einst „Karussellfleisch“ hieß

Ein Stück Degerschlachter Geschichte – erzählt von Wilfried Gehr

Wer hat’s erfunden?

Es gibt manche Geschichten um die Entstehung des „Deutschen Döner“.

Berlin behauptet und weist offiziell nach, dass türkische Berliner ihn 1972 erstmals dort angeboten haben. Das mag ja stimmen.

Den ersten Döner gabs 1969 beim Reutlinger Stadtfest

Nachweislich gab es aber schon beim ersten Reutlinger Stadtfest im Jahr 1969 einen Döner in dieser heutigen Form.

Allerdings wurde er beim Stadtfest als „Karussellfleisch“ verkauft, weil die Erfinder dachten, dass die Reutlinger nichts mit den Worten Döner oder Giros anfangen können.

Um die Entstehung und das wer und wo findet man im Internet viele Geschichten und Spekulationen.

Als Zeitzeuge kann ich zur Aufklärung beitragen:“

An den Ausführungen im Netz, dass es ein Grieche war, der den Deutschen Döner erfunden hat, dass Stelios Kantos dabei war, dass Leberkäse mit drin war, dass die Verkaufspremiere beim Stadtfest Reutlingen 1969, also zwei Jahre vor Berlin war, ist was dran!

Die ganze Geschichte:

Als das erste Reutlinger Stadtfest 1969 anstand wollten sich auch die Degerschlachter Vereine und Wirte einbringen.

Gastwirt und Pächter im Sportheim des SV Degerschlacht war damals der pfiffiger Grieche  „Apostolos“.  (Später hatte Apostolos lange eine griechische Gaststätte am Reutlinger Bahnhof).

 Die Idee vom riesigen Fleischspieß wie in der Heimat

Apostolos hatte die Idee von einem riesigen Fleischspieß, wie er ihn ähnlich von seiner Heimat in Erinnerung hatte und das Rezept kannte er nicht mehr.

Einen grossen Spieß hatte er auch nicht. Aber die Leute am Stammtisch im Degerschlachter Sportheim haben geholfen.

Ein dort hängender recht grosser gusseiserner Halter für eine 3-Liter oder 5-Liter Flasche Scharlachberg Meisterbrand wurde als Ständer und Basis für den Spieß auserkoren.

 Flaschenhalter mit Kurbel zum Drehen

Der Schlosser vom Ort, Rudi Lumpp, wurde beauftragt, einen riesigen Spieß zu fertigen und diesen mit einer Kurbel zum Drehen an den Halter zu bauen.

Als Fleischheizung brachte Karl Schelling von der Firma Wagner am Buckel einen alten Elektroofen der dort beim Pförtner stand, ein.

 Elektroofen von der Firma Wagner

In der Zimmerer-Werkstatt von meinem Vater, Wilhelm Gehr, in der heutigen Martin Knapp Straße wurden dann der gusseiserne Ständer und die Heizspiralen aus dem alten Ofen auf ein sehr dickes eichenes Holz, das eigentlich als Treppenstufe vorgesehen war, geschraubt. Für den Anfang wurde der Spieß von Hand gedreht. Später sollte dann noch ein Motorle angebaut werden.

Beim Einschalten flog die Sicherung raus

Weil beim Einschalten der abenteuerlich an die Spießform angepassten Heizspirale aus dem Ofen immer wieder die Stromsicherung raus flog, wurde extra der Elektriker Weber aus Wannweil angefordert. Der hatte eine Lösung gefunden.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

Hier fing alles an: Im Sportheim Degerschlacht gab es schon 1969 den ersten deutschen Döner – zwei Jahre bevor die Berliner ihn entdeckten. 

 Der Spieß auf der Hobelmaschine

Der Testlauf mit Probeessen fand dann auch in der Werkstatt der Zimmerei statt. Apostolos brachte das Fleisch und tatsächlich auch Leberkäse mit. Er und Stelios bestückten den Spieß auf der Hobelmaschine. Was die da reinpacken weiss ich nicht. Alle hatten aber ihren Spaß.

Knoblauch aus Sickenhausen und Weckle vom Degerschlachter Bäcker

Sepp Litter musste extra nach Sickenhausen fahren, weil nur er den benötigten Knoblauch zuhause hatte.  Wilhelm Knapp und ich haben damals erstmals Knoblauch gesehen und ihn kalt gegessen.

Birgit Saur und ich mussten später Weckle vom Degerschlachter Bäcker holen. Dann ging es los.

Testessen und ein flambierter Fleischspieß

Zum Testessen in der Werkstatt waren der frühere Bürgermeister Manfred Saur, Karl Schelling, Heinz Jedele, Hans Vogel, Ernst Weimar, Erich Rist, Kurt Pfanner, Rolf Grauer, Kurt Schmid, Wilhelm Knapp, Ewald Kirschbaum und Richard Schäfer sowie die Kinder Birgit Saur und ich da.

Richard Schäfer brachte eine riesige Flasche Scharlachberg Meisterbrand mit. Irgendwann haben die Feiernden dann sogar den Fleischspieß mit dem Weinbrand flambiert.

Das größte Messer im Dorf für die Griechen

Heinz Jedele hat das große Messer, mit dem die Griechen das Fleisch abschnitten, immer wieder mit einem Wetzstein für die Sense scharf gemacht.

Weil sehr viel Fett auf die Holzplatte getropft ist, wollte Ewald Kirschbaum über seinen Schwager noch eine hygienische Schale aus Nirosta bei der Firma Rieber in Betzingen besorgen.

Fleisch und Joghurtsoße im Weckle ohne Teller

Da nicht genügend Teller da waren, hat Apostolos das Fleisch und die Joghurtsoße mit Gurken, welche die Frau von Apostolos brachte, einfach direkt in die aufgeschnittenen Weckle gesteckt. Flecken in der Kleidung und auf dem Werkstattboden als Folge waren klar.

 Diskussionen um den Namen

Wegen dem Namen für das neue Fleischgericht beim Stadtfest gab es Diskussionen. Die Leute waren der Meinung, dass niemand von den Festbesucheen mit den Bezeichnungen Kebab oder Giros etwas anfangen kann und das zu ausländisch klang.

Es wurden Namen dann Namen wie „Cognacfleisch“, „Griechen-“ oder „Türkenfutter“ genannt.

Am Schluss haben sie sich die sehr lange Feiernden dann auf Karussellfleisch geeinigt. Als solches wurde der Kebab dann auch beim Stadtfest verkauft.

Karussellfleischessen auf dem Marktplatz beim Stadtfest

Beim Stadtfest selbst hatte die Feuerwehr Degerschlacht, bei der ich war, mit einem  Nagelbalken ein gutes Geschäft gemacht. Deshalb haben wir uns selbst zum Karussellfleischessen auf den Marktplatz eingeladen.

Wer hats erfunden? Wir  Degerschlachter!

Es ist also definitiv klar, dass der erste „Deutsche Kebab“ in Reutlingen, genauer gesagt in Reutlingen-Degerschlacht, entstanden ist. Die Antwort auf „wer hat’s erfunden“ ist damit klar!

Wilfried Gehr

Wildsaua und andere Narren

Wildsaua und andere Narren

Wildsaua und andere Narren

Kinderfasching am Nachmittag, Nacht der Narren am Abend – dazwischen Begegnungen, Gespräche, Musik, Kostüme und jede Menge Organisation im Hintergrund.
Auf dieser Seite findet ihr Beiträge über den Kinderfasching der Degerschlachter Wildsaua, die Nacht der Narren, besondere Vereinsnamen und ein paar Hintergrundinformationen zur Geschichte des Narrenvereins Degerschlachter Wildsaua e. V.
Zusammen ergeben sie Eindrücke von einem Fasnetswochenende, wie es in Degerschlacht gefeiert wurde.

Wie dend Wildsaua? – Se grunzed!

Was schön ist. Denn seit inzwischen 24 Jahren sind sie wieder da – die Wildsaua in Degerschlacht.

Angefangen hat alles vor gut hundert Jahren. So zumindest ist es in der Vereinsgeschichte der Degerschlachter Narrenzunft zu lesen. Damals hieß der Ort noch Tegirslath. Eine Siedlung am großen Waldschlag, mit feuchten, nährstoffreichen Böden und ausgedehnten Wäldern. Ein idealer Lebensraum für Wildschweine. Sie fühlten sich hier, könnte man sagen, sauwohl.

Mit der großflächigen Rodung des Gebiets änderte sich das. Der Wald verschwand, die Siedlung wuchs – und mit ihr verschwanden viele der ursprünglichen tierischen Bewohner. Auch die Wildsaua verloren ihren Lebensraum.

Zehn Freunde

Zehn Freunde waren es, die 2002 die Idee hatten, die Wildsaua symbolisch zurück nach Degerschlacht zu holen. Mit der Gründung der Degerschlachter Narrenzunft Wildsaua begann etwas, das weit über eine Fasnachtsidee hinausging.

„Wir waren damals jung und ungebunden“, erzählt Jens Bintakies, eines der Gründungsmitglieder. Die zehn Männer hatten Spaß miteinander, Lust am Feiern und den Wunsch, etwas gemeinsam aufzubauen. Dass daraus ein Verein entstehen würde, der heute fest im Dorf verankert ist, war damals wohl kaum absehbar.

Anfangs reine Männersache

Anfangs war die Wildsaua eine reine Männersache. Frauen spielten zunächst keine Rolle. Doch die Freunde wurden älter, gründeten Familien, bekamen Kinder. Heute zählt der Verein 31 erwachsene Mitglieder und 38 Wildsaua-Kinder. Um Nachwuchs muss sich der Verein also keine Sorgen machen.

Einfach machen

Dass Gemeinschaft für die Wildsaua mehr bedeutet als nur Feiern, zeigte sich gleich zu Beginn des Fasnetswochenendes. Bevor Zelt und Technik aufgebaut wurden, räumten die Mitglieder erst einmal rund um die Altglascontainer auf. Über die Feiertage hatten sich dort wieder Unmengen leerer Flaschen angesammelt – daneben, darauf, drum herum. Weil die Technischen Betriebe mit dem Durst der Degerschlachter offenbar erneut überfordert waren, griffen die Wildsaua selbst zu.

Kein großes Aufheben, kein Kommentar. Einfach machen.
Auch das gehört inzwischen zur Geschichte der Wildsaua.

Nacht der Narren
Degerschlacht feiert

Eulen und Füchse, Kräuter- und andere Hexen, Schlosswölfe, Waldgeister, Bisamratten und Neckar-Bätscher – die Narrenzünfte kamen von überall her und freuten sich darauf, gemeinsam zu feiern.

Schon auf dem Weg zur Halle, vor dem Eingang und später drinnen kamen die Feiernden schnell miteinander ins Gespräch. Um mitfeiern zu dürfen, hatten die Narren Kostümzwang angeordnet, und die fantasievollen Verkleidungen machten es den Gästen leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht immer war auf den ersten Blick zu erkennen, welches Kostüm da gerade vor einem stand. Aber genau das machte den Reiz aus.

Häschen oder Zebras?

Drei junge Frauen mit gestreiften Öhrchen auf dem Kopf, innen rosa, dazu schwarz-weiße Tüllröckchen, blieben stehen, als ich sie fragte, ob ich sie fotografieren dürfe.

„Kannst du raten, was wir sind?“, fragten sie und steckten die Köpfe zusammen. Ich war ratlos und tippte vorsichtig auf „Häschen?“
Die drei lachten laut los. Es waren Zebras.

Ab 19 Uhr hatten die Degerschlachter Wildsaua zur Nacht der Narren eingeladen. Die Organisation lief reibungslos. Einlass, Getränke- und Essensausgabe funktionierten ohne lange Wartezeiten. Niemand musste hungrig oder durstig feiern.

Perfekte Organisation

Ordnungshüter achteten darauf, dass leere Flaschen dorthin zurückkamen, wo sie hingehörten, und Einweggeschirr von Pommes, Roter Wurst und Käse ordnungsgemäß entsorgt wurde. Sanitäter standen bereit, damit nichts passierte, falls etwas passierte.

Aber es passierte nichts.

Guggenmusik und Männerballett

Zahlreiche Fasnachtsvereine aus der Region waren der Einladung gefolgt und sorgten für ein abwechslungsreiches Programm. Auf der Bühne wechselten sich Guggenmusik, Lumpenkapellen, Show-, Häs- und Hexentänze ab. Die Männergruppen der Betzinger Krautskräga und der Spitzbuaba Sonnenbühl präsentierten ihre mehr oder weniger eleganten Ballettaufführungen. So, wie Männer eben tanzen. Und bekamen dafür jede Menge Applaus.

Tanz im Zelt

Während die verschiedenen Narrengruppen ihr Publikum in der Auchterthalle mit ihren Vorführungen fesselten, nutzte die bunte Gesellschaft im Zelt die Gelegenheit, ausgelassen zu tanzen. Das Zelt hätte gut noch ein bisschen größer sein können, um alle Feiernden zu fassen.

Nach Ende des Festes übernahmen rund 20 Mitglieder der Degerschlachter Narrenzunft das Aufräumen. Zehn Wildsaua waren dann am Sonntag schon wieder früh aufgestanden, um dafür zu sorgen, dass alles so hinterlassen wurde, wie sie es vorgefunden hatten.

Ordentliche Wildsaua

Wobei das nicht ganz stimmt:

Sie haben den Platz besser hinterlassen als zuvor. Schließlich hatten sie bereits vor Beginn der Veranstaltungen rund um die Altglascontainer aufgeräumt.

Kinderfasching der Wildsaua – bunt, laut und ziemlich fröhlich

„Tschau, wir sehen uns erst am Montag“ und „Wir essen Schokolade“ schallte es aus den Lautsprechern der Auchterthalle. Auf der Tanzfläche sangen, klatschten und tanzten Prinzessinnen, Marienkäfer, Piraten, Katzen, Kühe und ein Einhorn fröhlich mit. Auch ein junger Mann im grünen OP-Hemd und mit Mundschutz war unter den Gästen. Das war ja auch gut. Man weiß schließlich nie, wozu man so jemanden noch brauchen kann.

Ein Weihnachtsmann zum Fasching?

Ein Weihnachtsmann war auf dem Kinderfaschingsfest ebenfalls gesichtet worden. Bevor sich allerdings klären ließ, ob er sich im Datum geirrt hatte oder einfach schon einmal fürs nächste Mal hören wollte, was sich Kinder so wünschen, war er wieder verschwunden.

Zum ersten mal ein Wildsaua-Kinderfaschingsfest

Die Wildsaua-Kinder hatten am Samstag ihr erstes eigenes Kinderfasching seit es die Degerschlachter Wildsaua gibt und standen deshalb dann auch zum ersten Mal selbst auf der Bühne. Die drei- bis zehnjährigen Kinder zeigten, dass sie den Großen in ihrem Häs in nichts nachstanden: mit Tanz, Pyramide und zahlreichen akrobatischen Kunststücken. Der Beifall war entsprechend groß. Dass sie bei ihrer Pyramide oben genauso gute Laune hatten wie unten, wurde spätestens bei der Zugabe deutlich.

Sickenhäuser Wölfe und Zigeunerinsel Stuttgart

Auch eine ganze Reihe Gäste waren eingeladen. Die Sickenhäuser Wölfe traten ebenfalls im Häs auf und begeisterten das Publikum. Die Freude an der Sache war ihnen deutlich anzusehen.

Mit sechs Tänzerinnen zwischen fünf und neun Jahren war außerdem die Jugendtanzgarde der Zigeunerinsel Stuttgart zu Gast. Begleitet wurden sie von einem Betreuer und ihren beiden Trainerinnen Amelie und Vanessa.
„Die Jungs haben weniger Interesse am Tanz“, erklärten die beiden. Deshalb standen auch diesmal ausschließlich Mädchen auf der Bühne.

Schni-, Schna-, Schnappi und Käse mit Löchern

Mit „Schni-, Schna-, Schnappi“ und Löchern, die aus dem Käse flogen sorgte DJ Ernst O. gemeinsam mit seiner Tochter für gute Laune. Die Kinder klatschten und winkten, liefen in Polonaisen durch den Saal und hatten sichtlich Freude am Feiern.
„Mir macht das einfach Spaß“, strahlte der DJ – und genau das war ansteckend.

Am Ende wurde auch das schönste Kostüm prämiert. Gewonnen hatte diesmal ein kleines Reh.

Degerschlachter Gäste mit Geschichte: Zigeunerinsel Stuttgart

Der Auftritt der Jugendtanzgarde der „Zigeunerinsel Stuttgart“ beim Kinderfasching in Degerschlacht wirft bei manchen Fragen auf. Der Name des Vereins kommt heute nicht mehr so selbstverständlich über die Lippen.

„Wir werden deshalb tatsächlich oft angegriffen“, berichten Amelie und Vanessa, die beiden Trainerinnen der Jugendtanzgarde. Das sei nicht immer so leicht wegzustecken. Doch der Verein steht zu seinem Namen. „Schließlich ist der Name einfach historisch begründet und hat Tradition.“

Mittelalterlicher Name für eine Region

Die Geschichte des Vereins reicht bis ins Jahr 1910 zurück. Der Bürgerverein des Stuttgarter Westens trägt den Namen „Zigeunerinsel Stuttgart“ seit seiner Gründung. Das Gebiet, auf dem das Vereinsheim steht, wurde bereits im Mittelalter durchziehenden Roma und Sinti als Lagerplatz zugewiesen, da sie nicht innerhalb der Stadtmauern übernachten durften. Daraus entstand die Bezeichnung „Zigeunerinsel“, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen.

1910 gegründet

Als 27 Männer 1910 den Bürgerverein gründeten, übernahmen sie diesen Ortsnamen. Er ist historisch gewachsen und beschreibt einen Ort – nicht eine Haltung.

Auch wenn der Begriff heute für viele nicht mehr zeitgemäß ist, hat sich der Verein bewusst entschieden, den Namen beizubehalten. „Es ist ein netter Verein mit netten Mitgliedern“, betonen die Trainerinnen.

Der historische Kontext erklärt den Namen – er entschärft ihn vielleicht nicht automatisch. Aber ordnet ihn zumindest ein.

Wiener Schnitzel mit Pommes statt Zigeunerschnitzel

Wiener Schnitzel mit Pommes ist den beiden Trainerinnen übrigens trotzdem lieber als Zigeunerschnitzel.

Raus aus dem Sofa – ein Spaziergang durch Degerschlacht

Raus aus dem Sofa – ein Spaziergang durch Degerschlacht

Raus aus dem Sofa – ein Spaziergang durch Degerschlacht

Dieser Artikel kommt diesmal leider nicht ganz ohne Worte aus …

Raus aus dem Sofa

„Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen“, heißt es. Ich hatte nun also lange genug auf Sofas gesessen und mich dort vorwiegend mit Essen beschäftigt.
Ich muss raus, dachte ich. Und als ich heute Morgen in der Küche saß und aus dem Fenster sah, da sah das Wetter einfach traumhaft aus. Knackig kalt. Das Thermometer zeigte –8 Grad.
Aber der Reif auf Bäumen, Sträuchern, Dächern, Wiesen – ich musste einfach raus.

Dick eingepackt

Also zog ich lange Unterwäsche an, den dicksten Pullover, den ich habe, Mütze, Schal, Handschuhe, die warme Winterjacke, gefütterte Schuhe, zog die Kapuze tief ins Gesicht und machte mich auf den Weg. Auf einen Spaziergang durch Degerschlacht.

Alte Wege, alte Erinnerungen

Ich lief los. Alte, vertraute Wege. Und dabei kamen eine Menge Erinnerungen hoch.
Daran, dass die Kinder früher in der Talstraße gespielt haben. Als die Tiergartenstraße ihrem Namen noch alle Ehre gemacht hat. Eigentlich war es nur ein ganz kleiner Weg. Und er führte vorbei an einem Hühnergehege. Ich bin dort regelmäßig mit den Kindern an der Hand vorbeigelaufen. Die Kinder unterhielten sich dann angeregt mit den Hühnern. Mehr als „Gagg“ konnten sie letztendlich aber auch nicht sagen.

Schafe, Schwestern und ein Versprechen

Auf der Wiese an der Seite zu den Feldern hinaus, weiden auch heute manchmal Schafe. Heute waren sie nicht zu sehen. Vielleicht war ihnen zu kalt.

Da, wo heute die Baustelle steht, wohnten damals zwei Schwestern, die peinlich genau darauf achteten, dass die Kinder ja ihren Zaun nicht berührten. Daneben war ein kleines Haus. Ich erinnere mich daran, dass es dort einmal gebrannt hat. Unser Nachbar hatte damals einen Hund und war bei der Feuerwehr.
„Wenn hier bei euch mal etwas passieren sollte, sind wir da“, versprach er. „Wir passen auf euch auf.“

Container, Kunst und kleine Entdeckungen

Der Altmetall-Container ist für viele ein Segen. Egal, ob Altmetall oder Elektroschrott – der Besitzer des Containers freut sich.

Das kleine Kunstgewerbehäuschen gab es früher noch nicht. Aber es ist eine echte Bereicherung, finde ich.

Die Bäume sahen heute einfach zauberhaft aus. Manche waren skurril gewachsen, hatten Vogelhäuschen und Insektenhotels. Die Achalm, die man sonst von der Talstraße aus gut sehen kann, konnte man heute Morgen bestenfalls erahnen.

Friedhofsblick

Der Friedhof mit dem Platz gegenüber, auf dem einmal ein Pflegeheim entstehen soll …
Ich finde den Standort ja ein ganz kleines bisschen makaber. Andererseits: Es gibt dort immerhin auch einen Parkplatz.

Steinlöwen und bellende Erinnerungen

Die Steinlöwen rechts und links der Einfahrt in der Jerg-Wurster-Straße stehen dort schon ewig. Wenn ich vor vielen Jahren mit unserem Hund dort vorbeiging, hat er sie jedes Mal ordentlich verbellt. Ich bin dann später meistens doch lieber einen Umweg gegangen.

Gartenschilder und kleine Scherze

In manchen Gärten wachsen Hufeisen, andere bieten Unkraut an und warnen auf nette Weise vor dem Hund …

Und eigentlich ist in der Käthe-Kollwitz-Straße Tempo 30. Aber irgendeinem Witzbold schien das nicht zu gefallen. Er hat kurzerhand ein Tempo-40-Schild an den Laternenpfahl geklebt.

Die Krone, die keine mehr ist

Das, was früher einmal die Krone war, ist heute ein Wohnhaus. Damals gehörte ein wunderschöner Garten zum Gasthaus. Es hätte wirklich schön sein können. Andreas Dörr hatte mit seinem GEA-Artikel „Es goht halt nemme …“ über die beiden Schwestern, die dort die Wirtschaft geführt hatten, sogar einen Preis gewonnen.

Hühner auf Abwegen

Manchmal musste man auf der Leopoldstraße besonders aufpassen. Früher stand dort an der Ecke, da, wo es nach K’furt runtergeht, ein Bauernhaus. Und auf dem Hof gab es Hühner. Manchmal büxte eines aus, lief aufgeregt die Leopoldstraße auf und ab und blockierte den Verkehr.

Bei uns hinterm Haus waren die Hühner von Frau Schäfer. Ich fütterte sie mit Salatabfällen und Essensresten, und manchmal bekam ich dafür ein paar Eier, wenn die Hennen gut gelegt hatten.

Heute gibt es übrigens manchmal wieder Hühner in der Leopoldstraße. Gut eingezäunt. Heute waren sie nicht zu sehen. Aber bei dem Wetter wäre das für sie wohl auch nicht gut gewesen.

Einfach gut

Der Spaziergang hat mir gutgetan.
Ich denke, ich werde es wieder tun.

Sagt
eure Eulalia, die Eulenfrau aus Degerschlacht.

Ein Abend voller Musik

Ein Abend voller Musik

Ein Abend voller Musik

Erstes Offenes Singen in Degerschlacht

Zum ersten Mal fand am vergangenen Freitagabend das Offene Singen in Degerschlacht statt. Veranstalter war der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Degerschlacht zusammen mit dem Bezirksamt. Die Idee: gemeinsam singen. Ohne Noten, ohne Druck, einfach aus Spaß an der Sache, am gemeinsamen Singen. Ich war ziemlich aufgeregt. Vor allem, weil ich überhaupt nicht wusste, wer kommt. Oder ob überhaupt jemand kommt. Und wenn jemand kommt – was er oder sie wohl erwartet.

Von Udo Jürgens bis Monty Python

Also haben wir einfach ein Programm zusammengestellt, das alles enthielt, was Spaß macht: Schlager, Volkslieder, Gassenhauer, Pop und Rock. Von den Comedian Harmonists über Udo Jürgens bis zu Monty Pythons „Always look on the bright side of life“, den Bergvagabunden, „Blowing in the Wind“, „Lady in Black“, „House of the rising sun“ und natürlich „Schuld war nur der Bossa Nova“ und vieles mehr.

Ein Abend zum Mitsingen

Und es hat geklappt.
Rund 20 Leute waren gekommen und wir hatten schließlich einfach einen richtig schönen Abend miteinander. Es war nicht immer alles perfekt, aber das musste es auch nicht. Hier stand einfach der Spaß an der Sache, die Freude am Singen, an der Musik an erster Stelle.

Viele helfende Hände

Wolfgang hat die Sänger mit der Gitarre begleitet, ich am Klavier, Ute Dunkl, unsere Bezirksbürgermeisterin, hat die Texte per Beamer an die Leinwand geworfen und sogar Getränke aus der Gemeindekasse spendiert.
Martin hat dafür gesorgt, dass die Technik reibungslos funktionierte, und Nicole half spontan beim Aufbau und begrüßte die Gäste mit so viel guter Laune, dass die Stimmung schon beim Reinkommen stimmte.

Alles, was man sich wünschen kann

Dass wir den Raum im Gemeindehaus nutzen durften, dafür noch mal ein ganz großes Dankeschön an unsere Pfarrerin Stefanie Fritz. Der Raum bietet alles, was man sich nur wünschen kann: Von der Technik, Mikrofon- und Soundanlage, bis zu den Stühlen ist alles da. Eigentlich ist ja auch ein Klavier vorhanden. Ich hatte trotzdem mein eigenes E-Piano mit, weil ich so vor den Gästen sitzen und Blickkontakt halten konnte. Über das Klavier rüberzugucken, wäre nicht ganz so einfach gewesen.
Manchmal allerdings war es auch nicht ganz so geschickt, dass die Texte hinter meinem Rücken gezeigt wurden. Denn es waren nicht immer die gleichen, die in meinen Noten standen. Das jedenfalls kann ich beim nächsten Mal besser machen.

Musik verbindet – und macht Lust auf mehr

Es war einfach ein richtig schöner Abend. Einer, der nicht nur Spaß gemacht hat, sondern mir auch etwas Wichtiges zurückgegeben hat: die Freude am Klavierspielen. Schon die Proben mit Wolfgang waren wunderbar – aber an diesem Abend ist etwas entstanden, das man nicht planen kann: dieses Gefühl, zusammen Musik zu machen, ohne Druck, ohne Noten, einfach so.

Musik ist eben nicht nur Musik. Sie verbindet. Sie schafft Begegnungen. Sie macht aus lauter Einzelnen eine Gemeinschaft.

Fortsetzung folgt im Februar

Und deshalb haben wir beschlossen: Wir machen weiter! Viermal im Jahr – alle drei Monate – soll es künftig ein Offenes Singen in Degerschlacht geben. Ohne Verpflichtung, ohne Anmeldung, einfach, weil es Spaß macht.

Das nächste „Degerschlacht singt“ ist für Februar geplant.
Liederwünsche gibt es schon – aber neue Ideen sind immer willkommen.
Denn am schönsten ist es, wenn alle mitmachen.

Tag der Aussicht – Albpanorama mit Regencape

Tag der Aussicht – Albpanorama mit Regencape

Tag der Aussicht in Degerschlacht – Albpanorama mit Regencape

Stadtbezirke im Fokus

Mit seinem wunderschönen Rundumblick auf die Alb und die Reutlinger Kernstadt, seinem regen Vereinsleben und einer engagierten Bürgermeisterin hat Degerschlacht eine Menge zu bieten – darin war sich das Team des Stadtmarketing Reutlingen einig.
Die meisten Veranstaltungen, die von der Stadt organisiert und über die anschließend berichtet wird, finden im Stadtgebiet selbst statt. Von den Teilgemeinden rund um die Kernstadt hört und liest man dagegen vergleichsweise wenig.
„Deshalb wollten wir die Stadtbezirke stärker in den Fokus rücken“, erklärte Claire van der Lelie vom Stadtmarketing-Team. Und so fiel die Wahl als Veranstaltungsortes für den „Tag der Aussicht“ in diesem Jahr auf Degerschlacht – einen Ort, der mit seiner Lage zwischen Alb und Kernstadt, seiner lebendigen Vereinswelt und seinem besonderen Charakter viel zu bieten hat.

Zwei Gruppen, ein Ziel

Zwei Gruppen mit jeweils rund zwanzig Wanderbegeisterten machten sich auf den Weg. Eine führten der DAV-Stadtführer Helmut Kober und Sara Ullmann vom Stadtmarketing, die andere der Wanderwart der Albvereins-Ortsgruppe Degerschlacht, Peter Schweickert. Vom Team Reutlingen war hier Claire van der Lelie dabei.
Die Route führte in einem großen Bogen rund um Degerschlacht – über Rommelsbach, Sickenhausen und Wannweil zurück zum Sportheim, wo Alessandro und Elio die Wandernden mit der besten Pizza in Degerschlacht empfingen.

Zwischen Regen, Nebel und Aussicht

Der Blick hätte besser sein können – der Himmel legte einen grauen Schleier über das Albpanorama. Doch die Silhouette der Berge und des Albtraufs blieb meist gut zu erkennen.

Manchmal verschwand der Roßbergturm im Nebel, um kurz darauf wieder aufzutauchen. Gegen Nachmittag riss die Wolkendecke auf, und sogar die Burg Hohenzollern blitzte immer wieder am Horizont hervor.

Geschichten aus Degerschlacht

Unterwegs erzählte Peter Schweickert Spannendes aus der Geschichte des Ortes. Seine Frau Petra, die in Degerschlacht aufgewachsen ist, steuerte lebendige Kindheitserinnerungen bei. So erfuhren die Wandernden etwa, dass sich um den Ortsnamen Degerschlacht viele Gerüchte ranken.
Die einen vermuten eine alte Schlacht mit Degen – „als die Schweden einfielen“, wie jemand mutmaßte. „Schweden? Gab’s die da schon?“, fragte ein anderer. „Dann waren’s wohl Wikinger!“, scherzte jemand aus der Gruppe. Schließlich war der Ort bereits 1092 in historischen Dokumenten erwähnt worden. Wahrscheinlicher, so Schweickert, stamme „Deger“ von einem alten Wort für ein großes Waldgebiet – das „geschlagen“, also gerodet wurde, um hier eine Siedlung zu errichten.

Der geheime „Degerschlachter Badesee“

Auch eine Anekdote über den „Degerschlachter Badesee“ sorgte für Heiterkeit: Ein kleines Bächlein Richtung Wannweil hatte sich früher zu einem natürlichen Staudamm gestaut. Dahin waren die jungen Leute immer wieder gerne zum Baden gegangen. Richtig erlaubt war es nicht, aber daran hatte sich niemand gehalten. Irgendwann wurde der Staudamm vorsichtig abgetragen, weil man befürchtete, dass er brechen und in Wannweil großen Schaden anrichten könnte.

Pause beim Obsthof Frech

Auf halber Strecke gab es eine kleine Pause beim Obsthof Frech. Markus Hendrik Zeidler war vorausgefahren und hatte dem Team im Hofladen geholfen, alles für Pause und Verköstigung vorzubereiten.
Martin Frech führte die Gäste des Stadtmarketing-Events in seine Brennkammer, erzählte viel über das Brennen von Schnäpsen aus heimischen Obstsorten und lud schließlich zu einer kleinen Verkostung ein.

Ein sonniger Abschluss

Als die Gruppen schließlich wieder am Sportheim eintrafen, zeigte sich sogar die Sonne. Bei Live-Musik von Fabio an der Gitarre und frisch gebackener Pizza klang der Tag gemütlich aus – mit zufriedenen Gesichtern, klarer Sicht und dem Gefühl, dass Degerschlacht tatsächlich „eine Menge zu bieten“ hat.

Der Tag mit Aussicht

Wem gehört der Wasserturm?

Wem gehört der Wasserturm?

Wem gehört der Wasserturm?

Er steht da oben wie ein stolzer Wächter, weiß gestrichen, mit spitzem Dach – ein echter Hingucker! Fast jeder hier nennt ihn ganz selbstverständlich den „Degerschlachter Wasserturm“. Kein Wunder, schließlich ist er von der Festhalle aus nur einen Spaziergang entfernt, wacht über unsere Felder und taucht auf fast jedem Wanderbild aus der Region auf.
Doch streng genommen – und das betonen manche ganz gerne – steht der Turm gar nicht auf Degerschlachter Boden. Offiziell gehört er zu Kirchentellinsfurt.

Ein Turm mit zwei Seelen?

Wie konnte das passieren? Nun, der Turm wurde 1924 gebaut, zur Wasserversorgung der Region – darunter Degerschlacht, Kirchentellinsfurt, Wannweil und andere Orte. Damals zählte der praktische Standort, nicht die Gemeindegrenze. Dass die Grenze heute just hinter der Festhalle verläuft, interessiert das Bauwerk herzlich wenig.
Aber uns Degerschlachtern interessiert es – denn der Turm gehört einfach zu uns. Er steht sinnbildlich für alles, was unsere Albkante ausmacht: klare Sicht, klare Luft, klare Ansage.

Kindergarten „Am Wasserturm“, Spaziergang „rund um den Wasserturm“, Plakate mit Turmsilhouette – der Turm ist längst Teil unseres Alltags und unserer Symbolwelt geworden. Und wer mit dem Bus nach Degerschlacht fährt, weiß: Von der Haltestelle „Rathaus“ ist es nur ein Katzensprung bis zum Fotospot mit Albpanorama und Turm.

Historisch, technisch, typisch Degerschlacht

Der Wasserturm wurde von der Neckar-Echaz-Wasserversorgungsgruppe errichtet, misst rund 21 Meter und war technisch seiner Zeit weit voraus. Heute ist er außer Betrieb, aber noch im Besitz von FairNetz (den Reutlinger Stadtwerken) und bleibt als Industriedenkmal erhalten.
Er ist ein typischer Vertreter der Wassertürme der 1920er-Jahre – mit achteckigem Grundriss, kräftigen Strebepfeilern und markantem Spitzdach. Kurz gesagt: ein Turm mit Charakter.

Fazit: Er gehört zu uns. Punkt.

Natürlich kann man darüber streiten, ob es korrekt ist, ihn „Degerschlachter Wasserturm“ zu nennen. Aber es gibt Dinge, die wachsen einem einfach ans Herz. Und wenn Generationen von Degerschlachtern diesen Turm als ihr Wahrzeichen betrachten, dann ist das nicht einfach ein Irrtum – das ist gelebte Ortskultur.

Hier verläuft die Grenze 
Der Wasserturm ist von hieraus leider von Bäumen verdeckt. Aber er ist da. Ich schwör!

Wusstest du schon?

  • Baujahr: 1924

  • Höhe: ca. 20,8 m

  • Fassungsvermögen: 156 m³

  • Standort: offiziell Kirchentellinsfurt

  • Eigentümer: FairNetz GmbH (Stadtwerke Reutlingen)

  • Heute: nicht mehr in Betrieb, aber denkmalgeschützt

  • Beliebt bei: Degerschlachtern, Wanderern, Kindergärten, Fotograf*innen – und eigentlich allen, die gute Aussichten mögen.

Ein Ort, der verbindet – nicht trennt

Direkt neben dem Turm steht eine Bank, ein bemalter Stein mit Naturgedicht, ein kleiner Schaukasten mit Miniaturlandschaft und liebevollen Botschaften. Kein Schild, das Besitz reklamiert, keine Grenze, die trennt – sondern ein stiller Treffpunkt. Für alle.

Vielleicht ist genau das die Wahrheit über unseren Turm:
Er steht auf der Grenze – aber er bringt Menschen zusammen.
(Mit einem Klick auf die Fotos könnt ihr auch lesen, was auf Stein und Tafel steht)