Kinder befreit und Rathaus übernommen

Kinder befreit und Rathaus übernommen

Kinder befreit und Rathaus übernommen

Eulen fliegen auch bei Regen. Und den Wildsaua macht so ein bisschen Wasser von oben auch nichts aus. Am schmotzigen Donnerstag waren sie gemeinsam im Ort unterwegs. Sie starteten beim Bäcker – natürlich. Denn ohne einen g’scheiten Kaffee und ordentliche Fasnetsküchle geht an so einem Tag gar nichts.

Eulen und Wildsaua unterwegs im Ort

Und weil es ja bekanntlich auch Kraft kostet, wenn man Schüler und Kindergartenkinder befreien und schließlich das Rathaus übernehmen will, kehrten sie dann nochmal beim Metzger ein, bevor sie sich auf die Socken machten. Die Socken sind allerdings nur symbolisch gemeint, denn weder Eulen noch Wildsauen tragen bekanntlich ja Socken.

Die neue Obereule heißt Lukas Nedele

Nachdem Claudia Fäth 19 Jahre die Degerschlachter Eulen regiert hat, ist nun Lukas Nedele die Obereule.

„Wir hatten bis jetzt viele gute Veranstaltungen in der Region“, erzählt er. Die Eulen seien eine bunte Truppe. Die Altersspanne reicht von einem Jahr bis über 70. Insgesamt sieben Eulen gehören inzwischen zu den weißen Eulen. Sie sind über 50 Jahre alt und tragen als Zeichen ihrer Weisheit ein weißes Häs.

 

Weise Eulen im weißen Häs

Mit dem schmotzigen Donnerstag, der Befreiung der Kinder von Schule und Kindergarten und der Übernahme des Regiments im Rathaus geht es nun zum Endspurt. Am Samstag ist dann hier in Degerschlacht nochmal Kinder- und Hallenfasnet und dann kehrt hier Ruhe ein. Die Narren sind dann an Rosenmontag und Fasnetsdienstag noch auf der Schwäbischen Alb unterwegs, dort wo die Fasnetshochburgen sind und ab Aschermittwoch hat auch sie der Alltag wieder.

Denn wir wissen ja alle:
Am Aschermittwoch ist alles vorbei.

Unterwegs zur Übernahme

Haushalt 2026/27: Sanierung der Auchterhalle hat Priorität

Haushalt 2026/27: Sanierung der Auchterhalle hat Priorität

Haushalt 2026/27: Sanierung der Auchterhalle hat Priorität

Im Mittelpunkt der Sitzung des Bezirksgemeinderats am vergangenen Mittwoch standen die Haushaltsanträge für den Doppelhaushalt 2026/27. Hier ging es um die Frage, welche Vorhaben im Ort vorrangig angegangen werden sollen. Klar wurde schnell: Die Sanierung der Auchterhalle gilt als überfällig.

Mehrere Ratsmitglieder machten deutlich, dass der Sanierungsbedarf inzwischen sichtbar sei. Auch das Gebäudemanagement der Stadt habe diesen bestätigt. Genannt wurden unter anderem eine häufig ausfallende und zu schwache Heizung, ein klebriger und schwer zu reinigender Hallenboden, eine veraltete Küche, beschädigte Außenverkleidungen sowie schwer schließbare Fenster.

„Wenn wir jetzt nicht sanieren, werden die Kosten weiter steigen“, war ein zentrales Argument. Der Antrag, die Mittel bereitzustellen  wurde einstimmig beschlossen.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht
Auchterthalle Degerschlacht

In die Jahre gekommen: Die Auchterthalle ist seit langem sanierungsbedürftig. Darüber waren sich die Räte in Degerschlacht einig. 

Kunstrasenplatz im Nordraum: Einstimmiges Votum für Jugend- und Vereinsarbeit

Kunstrasenplatz im Nordraum: Einstimmiges Votum für Jugend- und Vereinsarbeit

Kunstrasenplatz im Nordraum: Einstimmiges Votum für Jugend- und Vereinsarbeit

Der Antrag, einen Kunstrasenplatz im Nordraum in den städtischen Haushalt aufzunehmen, war einer der zentralen Punkte der Sitzung des Bezirksgemeinderats Degerschlacht. Dass es dabei ganz und gar nicht nur alleine um Sport geht, sondern vor allem auch um Jugendarbeit, Teilhabe und das Vereinsleben im Ort, darüber waren sich alle einig.

Mit über 300 Kindern die größte Jugendgruppe im Nordraum

Ausgangspunkt ist die Situation der Spielgemeinschaft Degerschlacht-Sickenhausen (SG DeSi) und des SR Degerschlacht. Mit über 300 Kindern und Jugendlichen stellt der Verein die größte Jugendgruppe im Nordraum und die drittgrößte in der Region. 

„Im Winter gibt es keine Trainingsmöglichkeiten“, erklärte Johannes Hägele, worum es bei den beantragten Umbaumaßnahmen gehe. „Wir haben hier auch eine soziale Verantwortung“, betonte er.

Keine Trainingsmöglichkeiten im Winter

Viel zu oft müsse der Verein auf andere Plätze ausweichen. „Das ist nicht nur organisatorisch schwierig, sondern kostet auch Geld“, so Peter Weber. UZuschüsse gebe es dafür nicht. Die Folgen seien inzwischen schon spürbar: „Einige Jungen und Mädchen haben wegen schlechter Trainingsmöglichkeiten den Verein gewechselt“, weiß Johannes Hägele. 

wegen fehlender Trainingsmöglichkeiten den Verein gewechselt

In anderen Stadtteilen scheine es die Probleme nicht zu geben. Da seien die Kapazitäten scheinbar sogar groß genug, dass Plätze vermietet werden können. Um so unverständlicher sei es, dass der Antrag der Degerschlachter immer wieder zurückgestellt werde, findet Jörg Maurer. 

Dass es hier bei den Maßnahmen der soziale Aspekt die Hauptrolle spiele, darüber waren sich alle einig. 

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

sozialer Aspekt im Vordergrund

„Es geht uns vor allem darum, Jugendliche an Vereine und Ehrenamt heranzuführen“,  Um Gemeinschaft. Damit sie im Flecken bleiben und sich einbringen.“ Nur so sei es möglich, die eine lebendige Dorfgemeinschaft zu erhalten. 

Es gehe vor allem darum, die Jugendlichen an Vereine und Ehrenamt heranzuführen, um das Vereinsleben lebendig zu halten, erklärte Peter Weber warum er die Unterstützung der Stadt hier für wichtig hält. Natürlich gehe es auch um sportliche Leistung, aber wichtiger seien die Gemeinschaftsaktionen, der Zusammenhalt,. Nur so sei es möglich, ein lebendiges Dorfleben zu erhalten.  

„Hier darf jedes Kind kicken“

Was den Sportverein in Degerschlacht so besonders macht, brachte Robby Breusch auf den Punkt: „Hier darf jedes Kind kicken. Niemand wird abgewiesen.“ Auch Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft seien ganz  selbstverständlich integriert.

Das Ergebnis der Abstimmung schließlich war eindeutig: Der Bezirksgemeinderat stimmte einstimmig dafür, dem Antrag Gelder für den Kunstrasenplatzes im Nordraum im kommenden Doppelhaushalt bereitzustellen, zuzustimmen.

Auchterthalle Degerschlacht
Planungsrate für Vereinszimmer beantragt

Planungsrate für Vereinszimmer beantragt

Planungsrate für Vereinszimmer beantragt

Der geplante Anbau eines Vereinszimmers an der Auchtertschule war ebenfalls Thema der Sitzung des Bezirksgemeinderats. Beantragt wurde zunächst eine Planungsrate von 25.000 Euro, für die spätere Umsetzung werden rund 350.000 Euro veranschlagt.

Alleine 70 Schüler werden in der Kernzeit betreut

Der Bedarf ist unumstritten. Das Vereinszimmer soll unter anderem dem Musikverein für Proben, kleineren Gruppen sowie der Kernzeitbetreuung dienen. Von aktuell 80 Schülerinnen und Schülern werden rund 70 in der Kernzeit betreut. Derzeit muss dafür teilweise auf mobile Lösungen ausgewichen werden.

„Hätte man den Anbau gleich erledigt, wäre es billiger geworden.“

„Hätte man den Anbau gleich mit der Erweiterung des Schulgebäudes in Angriff genommen, hätte man vermutlich eine Menge Geld sparen können“, ist Roland Thron überzeugt, dass der Anbau längst hätte erledigt sein können. 

Auchterthalle Degerschlacht

Das neue Vereinszimmer soll an den Erweiterungsbau der Auchtertschule angebaut werden (links im Bikld). Rechts im Bild ein Fenster vom aktuellen Vereinszimmer im Anbau der Auchterthalle.

Alle Anschlüsse sind bereits vorhanden

Zumindes seien damals schon alle notwendigen Anschlüsse gelegt worden, so dass das Vereinszimmer nun ohne größere Eingriffe „angedockt werden könne, wusste Sylvia Kühbauch. Es müsse also  lediglich angebaut werden.

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

Wo und wie in Reutlingen der erste „Deutsche Döner“ entstand und warum er einst „Karussellfleisch“ hieß

Ein Stück Degerschlachter Geschichte – erzählt von Wilfried Gehr

Wer hat’s erfunden?

Es gibt manche Geschichten um die Entstehung des „Deutschen Döner“.

Berlin behauptet und weist offiziell nach, dass türkische Berliner ihn 1972 erstmals dort angeboten haben. Das mag ja stimmen.

Den ersten Döner gabs 1969 beim Reutlinger Stadtfest

Nachweislich gab es aber schon beim ersten Reutlinger Stadtfest im Jahr 1969 einen Döner in dieser heutigen Form.

Allerdings wurde er beim Stadtfest als „Karussellfleisch“ verkauft, weil die Erfinder dachten, dass die Reutlinger nichts mit den Worten Döner oder Giros anfangen können.

Um die Entstehung und das wer und wo findet man im Internet viele Geschichten und Spekulationen.

Als Zeitzeuge kann ich zur Aufklärung beitragen:“

An den Ausführungen im Netz, dass es ein Grieche war, der den Deutschen Döner erfunden hat, dass Stelios Kantos dabei war, dass Leberkäse mit drin war, dass die Verkaufspremiere beim Stadtfest Reutlingen 1969, also zwei Jahre vor Berlin war, ist was dran!

Die ganze Geschichte:

Als das erste Reutlinger Stadtfest 1969 anstand wollten sich auch die Degerschlachter Vereine und Wirte einbringen.

Gastwirt und Pächter im Sportheim des SV Degerschlacht war damals der pfiffiger Grieche  „Apostolos“.  (Später hatte Apostolos lange eine griechische Gaststätte am Reutlinger Bahnhof).

 Die Idee vom riesigen Fleischspieß wie in der Heimat

Apostolos hatte die Idee von einem riesigen Fleischspieß, wie er ihn ähnlich von seiner Heimat in Erinnerung hatte und das Rezept kannte er nicht mehr.

Einen grossen Spieß hatte er auch nicht. Aber die Leute am Stammtisch im Degerschlachter Sportheim haben geholfen.

Ein dort hängender recht grosser gusseiserner Halter für eine 3-Liter oder 5-Liter Flasche Scharlachberg Meisterbrand wurde als Ständer und Basis für den Spieß auserkoren.

 Flaschenhalter mit Kurbel zum Drehen

Der Schlosser vom Ort, Rudi Lumpp, wurde beauftragt, einen riesigen Spieß zu fertigen und diesen mit einer Kurbel zum Drehen an den Halter zu bauen.

Als Fleischheizung brachte Karl Schelling von der Firma Wagner am Buckel einen alten Elektroofen der dort beim Pförtner stand, ein.

 Elektroofen von der Firma Wagner

In der Zimmerer-Werkstatt von meinem Vater, Wilhelm Gehr, in der heutigen Martin Knapp Straße wurden dann der gusseiserne Ständer und die Heizspiralen aus dem alten Ofen auf ein sehr dickes eichenes Holz, das eigentlich als Treppenstufe vorgesehen war, geschraubt. Für den Anfang wurde der Spieß von Hand gedreht. Später sollte dann noch ein Motorle angebaut werden.

Beim Einschalten flog die Sicherung raus

Weil beim Einschalten der abenteuerlich an die Spießform angepassten Heizspirale aus dem Ofen immer wieder die Stromsicherung raus flog, wurde extra der Elektriker Weber aus Wannweil angefordert. Der hatte eine Lösung gefunden.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

Hier fing alles an: Im Sportheim Degerschlacht gab es schon 1969 den ersten deutschen Döner – zwei Jahre bevor die Berliner ihn entdeckten. 

 Der Spieß auf der Hobelmaschine

Der Testlauf mit Probeessen fand dann auch in der Werkstatt der Zimmerei statt. Apostolos brachte das Fleisch und tatsächlich auch Leberkäse mit. Er und Stelios bestückten den Spieß auf der Hobelmaschine. Was die da reinpacken weiss ich nicht. Alle hatten aber ihren Spaß.

Knoblauch aus Sickenhausen und Weckle vom Degerschlachter Bäcker

Sepp Litter musste extra nach Sickenhausen fahren, weil nur er den benötigten Knoblauch zuhause hatte.  Wilhelm Knapp und ich haben damals erstmals Knoblauch gesehen und ihn kalt gegessen.

Birgit Saur und ich mussten später Weckle vom Degerschlachter Bäcker holen. Dann ging es los.

Testessen und ein flambierter Fleischspieß

Zum Testessen in der Werkstatt waren der frühere Bürgermeister Manfred Saur, Karl Schelling, Heinz Jedele, Hans Vogel, Ernst Weimar, Erich Rist, Kurt Pfanner, Rolf Grauer, Kurt Schmid, Wilhelm Knapp, Ewald Kirschbaum und Richard Schäfer sowie die Kinder Birgit Saur und ich da.

Richard Schäfer brachte eine riesige Flasche Scharlachberg Meisterbrand mit. Irgendwann haben die Feiernden dann sogar den Fleischspieß mit dem Weinbrand flambiert.

Das größte Messer im Dorf für die Griechen

Heinz Jedele hat das große Messer, mit dem die Griechen das Fleisch abschnitten, immer wieder mit einem Wetzstein für die Sense scharf gemacht.

Weil sehr viel Fett auf die Holzplatte getropft ist, wollte Ewald Kirschbaum über seinen Schwager noch eine hygienische Schale aus Nirosta bei der Firma Rieber in Betzingen besorgen.

Fleisch und Joghurtsoße im Weckle ohne Teller

Da nicht genügend Teller da waren, hat Apostolos das Fleisch und die Joghurtsoße mit Gurken, welche die Frau von Apostolos brachte, einfach direkt in die aufgeschnittenen Weckle gesteckt. Flecken in der Kleidung und auf dem Werkstattboden als Folge waren klar.

 Diskussionen um den Namen

Wegen dem Namen für das neue Fleischgericht beim Stadtfest gab es Diskussionen. Die Leute waren der Meinung, dass niemand von den Festbesucheen mit den Bezeichnungen Kebab oder Giros etwas anfangen kann und das zu ausländisch klang.

Es wurden Namen dann Namen wie „Cognacfleisch“, „Griechen-“ oder „Türkenfutter“ genannt.

Am Schluss haben sie sich die sehr lange Feiernden dann auf Karussellfleisch geeinigt. Als solches wurde der Kebab dann auch beim Stadtfest verkauft.

Karussellfleischessen auf dem Marktplatz beim Stadtfest

Beim Stadtfest selbst hatte die Feuerwehr Degerschlacht, bei der ich war, mit einem  Nagelbalken ein gutes Geschäft gemacht. Deshalb haben wir uns selbst zum Karussellfleischessen auf den Marktplatz eingeladen.

Wer hats erfunden? Wir  Degerschlachter!

Es ist also definitiv klar, dass der erste „Deutsche Kebab“ in Reutlingen, genauer gesagt in Reutlingen-Degerschlacht, entstanden ist. Die Antwort auf „wer hat’s erfunden“ ist damit klar!

Wilfried Gehr

Wildsaua und andere Narren

Wildsaua und andere Narren

Wildsaua und andere Narren

Kinderfasching am Nachmittag, Nacht der Narren am Abend – dazwischen Begegnungen, Gespräche, Musik, Kostüme und jede Menge Organisation im Hintergrund.
Auf dieser Seite findet ihr Beiträge über den Kinderfasching der Degerschlachter Wildsaua, die Nacht der Narren, besondere Vereinsnamen und ein paar Hintergrundinformationen zur Geschichte des Narrenvereins Degerschlachter Wildsaua e. V.
Zusammen ergeben sie Eindrücke von einem Fasnetswochenende, wie es in Degerschlacht gefeiert wurde.

Wie dend Wildsaua? – Se grunzed!

Was schön ist. Denn seit inzwischen 24 Jahren sind sie wieder da – die Wildsaua in Degerschlacht.

Angefangen hat alles vor gut hundert Jahren. So zumindest ist es in der Vereinsgeschichte der Degerschlachter Narrenzunft zu lesen. Damals hieß der Ort noch Tegirslath. Eine Siedlung am großen Waldschlag, mit feuchten, nährstoffreichen Böden und ausgedehnten Wäldern. Ein idealer Lebensraum für Wildschweine. Sie fühlten sich hier, könnte man sagen, sauwohl.

Mit der großflächigen Rodung des Gebiets änderte sich das. Der Wald verschwand, die Siedlung wuchs – und mit ihr verschwanden viele der ursprünglichen tierischen Bewohner. Auch die Wildsaua verloren ihren Lebensraum.

Zehn Freunde

Zehn Freunde waren es, die 2002 die Idee hatten, die Wildsaua symbolisch zurück nach Degerschlacht zu holen. Mit der Gründung der Degerschlachter Narrenzunft Wildsaua begann etwas, das weit über eine Fasnachtsidee hinausging.

„Wir waren damals jung und ungebunden“, erzählt Jens Bintakies, eines der Gründungsmitglieder. Die zehn Männer hatten Spaß miteinander, Lust am Feiern und den Wunsch, etwas gemeinsam aufzubauen. Dass daraus ein Verein entstehen würde, der heute fest im Dorf verankert ist, war damals wohl kaum absehbar.

Anfangs reine Männersache

Anfangs war die Wildsaua eine reine Männersache. Frauen spielten zunächst keine Rolle. Doch die Freunde wurden älter, gründeten Familien, bekamen Kinder. Heute zählt der Verein 31 erwachsene Mitglieder und 38 Wildsaua-Kinder. Um Nachwuchs muss sich der Verein also keine Sorgen machen.

Einfach machen

Dass Gemeinschaft für die Wildsaua mehr bedeutet als nur Feiern, zeigte sich gleich zu Beginn des Fasnetswochenendes. Bevor Zelt und Technik aufgebaut wurden, räumten die Mitglieder erst einmal rund um die Altglascontainer auf. Über die Feiertage hatten sich dort wieder Unmengen leerer Flaschen angesammelt – daneben, darauf, drum herum. Weil die Technischen Betriebe mit dem Durst der Degerschlachter offenbar erneut überfordert waren, griffen die Wildsaua selbst zu.

Kein großes Aufheben, kein Kommentar. Einfach machen.
Auch das gehört inzwischen zur Geschichte der Wildsaua.

Nacht der Narren
Degerschlacht feiert

Eulen und Füchse, Kräuter- und andere Hexen, Schlosswölfe, Waldgeister, Bisamratten und Neckar-Bätscher – die Narrenzünfte kamen von überall her und freuten sich darauf, gemeinsam zu feiern.

Schon auf dem Weg zur Halle, vor dem Eingang und später drinnen kamen die Feiernden schnell miteinander ins Gespräch. Um mitfeiern zu dürfen, hatten die Narren Kostümzwang angeordnet, und die fantasievollen Verkleidungen machten es den Gästen leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht immer war auf den ersten Blick zu erkennen, welches Kostüm da gerade vor einem stand. Aber genau das machte den Reiz aus.

Häschen oder Zebras?

Drei junge Frauen mit gestreiften Öhrchen auf dem Kopf, innen rosa, dazu schwarz-weiße Tüllröckchen, blieben stehen, als ich sie fragte, ob ich sie fotografieren dürfe.

„Kannst du raten, was wir sind?“, fragten sie und steckten die Köpfe zusammen. Ich war ratlos und tippte vorsichtig auf „Häschen?“
Die drei lachten laut los. Es waren Zebras.

Ab 19 Uhr hatten die Degerschlachter Wildsaua zur Nacht der Narren eingeladen. Die Organisation lief reibungslos. Einlass, Getränke- und Essensausgabe funktionierten ohne lange Wartezeiten. Niemand musste hungrig oder durstig feiern.

Perfekte Organisation

Ordnungshüter achteten darauf, dass leere Flaschen dorthin zurückkamen, wo sie hingehörten, und Einweggeschirr von Pommes, Roter Wurst und Käse ordnungsgemäß entsorgt wurde. Sanitäter standen bereit, damit nichts passierte, falls etwas passierte.

Aber es passierte nichts.

Guggenmusik und Männerballett

Zahlreiche Fasnachtsvereine aus der Region waren der Einladung gefolgt und sorgten für ein abwechslungsreiches Programm. Auf der Bühne wechselten sich Guggenmusik, Lumpenkapellen, Show-, Häs- und Hexentänze ab. Die Männergruppen der Betzinger Krautskräga und der Spitzbuaba Sonnenbühl präsentierten ihre mehr oder weniger eleganten Ballettaufführungen. So, wie Männer eben tanzen. Und bekamen dafür jede Menge Applaus.

Tanz im Zelt

Während die verschiedenen Narrengruppen ihr Publikum in der Auchterthalle mit ihren Vorführungen fesselten, nutzte die bunte Gesellschaft im Zelt die Gelegenheit, ausgelassen zu tanzen. Das Zelt hätte gut noch ein bisschen größer sein können, um alle Feiernden zu fassen.

Nach Ende des Festes übernahmen rund 20 Mitglieder der Degerschlachter Narrenzunft das Aufräumen. Zehn Wildsaua waren dann am Sonntag schon wieder früh aufgestanden, um dafür zu sorgen, dass alles so hinterlassen wurde, wie sie es vorgefunden hatten.

Ordentliche Wildsaua

Wobei das nicht ganz stimmt:

Sie haben den Platz besser hinterlassen als zuvor. Schließlich hatten sie bereits vor Beginn der Veranstaltungen rund um die Altglascontainer aufgeräumt.

Kinderfasching der Wildsaua – bunt, laut und ziemlich fröhlich

„Tschau, wir sehen uns erst am Montag“ und „Wir essen Schokolade“ schallte es aus den Lautsprechern der Auchterthalle. Auf der Tanzfläche sangen, klatschten und tanzten Prinzessinnen, Marienkäfer, Piraten, Katzen, Kühe und ein Einhorn fröhlich mit. Auch ein junger Mann im grünen OP-Hemd und mit Mundschutz war unter den Gästen. Das war ja auch gut. Man weiß schließlich nie, wozu man so jemanden noch brauchen kann.

Ein Weihnachtsmann zum Fasching?

Ein Weihnachtsmann war auf dem Kinderfaschingsfest ebenfalls gesichtet worden. Bevor sich allerdings klären ließ, ob er sich im Datum geirrt hatte oder einfach schon einmal fürs nächste Mal hören wollte, was sich Kinder so wünschen, war er wieder verschwunden.

Zum ersten mal ein Wildsaua-Kinderfaschingsfest

Die Wildsaua-Kinder hatten am Samstag ihr erstes eigenes Kinderfasching seit es die Degerschlachter Wildsaua gibt und standen deshalb dann auch zum ersten Mal selbst auf der Bühne. Die drei- bis zehnjährigen Kinder zeigten, dass sie den Großen in ihrem Häs in nichts nachstanden: mit Tanz, Pyramide und zahlreichen akrobatischen Kunststücken. Der Beifall war entsprechend groß. Dass sie bei ihrer Pyramide oben genauso gute Laune hatten wie unten, wurde spätestens bei der Zugabe deutlich.

Sickenhäuser Wölfe und Zigeunerinsel Stuttgart

Auch eine ganze Reihe Gäste waren eingeladen. Die Sickenhäuser Wölfe traten ebenfalls im Häs auf und begeisterten das Publikum. Die Freude an der Sache war ihnen deutlich anzusehen.

Mit sechs Tänzerinnen zwischen fünf und neun Jahren war außerdem die Jugendtanzgarde der Zigeunerinsel Stuttgart zu Gast. Begleitet wurden sie von einem Betreuer und ihren beiden Trainerinnen Amelie und Vanessa.
„Die Jungs haben weniger Interesse am Tanz“, erklärten die beiden. Deshalb standen auch diesmal ausschließlich Mädchen auf der Bühne.

Schni-, Schna-, Schnappi und Käse mit Löchern

Mit „Schni-, Schna-, Schnappi“ und Löchern, die aus dem Käse flogen sorgte DJ Ernst O. gemeinsam mit seiner Tochter für gute Laune. Die Kinder klatschten und winkten, liefen in Polonaisen durch den Saal und hatten sichtlich Freude am Feiern.
„Mir macht das einfach Spaß“, strahlte der DJ – und genau das war ansteckend.

Am Ende wurde auch das schönste Kostüm prämiert. Gewonnen hatte diesmal ein kleines Reh.

Degerschlachter Gäste mit Geschichte: Zigeunerinsel Stuttgart

Der Auftritt der Jugendtanzgarde der „Zigeunerinsel Stuttgart“ beim Kinderfasching in Degerschlacht wirft bei manchen Fragen auf. Der Name des Vereins kommt heute nicht mehr so selbstverständlich über die Lippen.

„Wir werden deshalb tatsächlich oft angegriffen“, berichten Amelie und Vanessa, die beiden Trainerinnen der Jugendtanzgarde. Das sei nicht immer so leicht wegzustecken. Doch der Verein steht zu seinem Namen. „Schließlich ist der Name einfach historisch begründet und hat Tradition.“

Mittelalterlicher Name für eine Region

Die Geschichte des Vereins reicht bis ins Jahr 1910 zurück. Der Bürgerverein des Stuttgarter Westens trägt den Namen „Zigeunerinsel Stuttgart“ seit seiner Gründung. Das Gebiet, auf dem das Vereinsheim steht, wurde bereits im Mittelalter durchziehenden Roma und Sinti als Lagerplatz zugewiesen, da sie nicht innerhalb der Stadtmauern übernachten durften. Daraus entstand die Bezeichnung „Zigeunerinsel“, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen.

1910 gegründet

Als 27 Männer 1910 den Bürgerverein gründeten, übernahmen sie diesen Ortsnamen. Er ist historisch gewachsen und beschreibt einen Ort – nicht eine Haltung.

Auch wenn der Begriff heute für viele nicht mehr zeitgemäß ist, hat sich der Verein bewusst entschieden, den Namen beizubehalten. „Es ist ein netter Verein mit netten Mitgliedern“, betonen die Trainerinnen.

Der historische Kontext erklärt den Namen – er entschärft ihn vielleicht nicht automatisch. Aber ordnet ihn zumindest ein.

Wiener Schnitzel mit Pommes statt Zigeunerschnitzel

Wiener Schnitzel mit Pommes ist den beiden Trainerinnen übrigens trotzdem lieber als Zigeunerschnitzel.