Wer macht so was – zweiter Teil …

Wer macht so was – zweiter Teil …

Wer macht so was – zweiter Teil …

Die Papierkörbe sind inzwischen geleert, Hundekotbeutel entsorgt. Ein aufmerksamer Nachbar hatte die Technische Betriebe Reutlingen per App über die überlaufenden Mülleimer und den daneben abgelegten Abfall informiert – der Missstand wurde umgehend beseitigt. Ein dickes Lob und herzlichen Dank dafür.

Doch offenbar ist das nicht alles, wo man Schaden anrichten kann, wenn man es darauf anlegt.

Diesmal hat es einen Baum getroffen.

Mutwillig?

Falls ja: warum?

Am Sportheim, direkt neben dem geschwungenen Bänkle mit Blick Richtung Betzingen und Albtrauf, wurde ein Baum beschädigt – leider nicht zum ersten Mal an dieser Stelle.

Schade.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht
Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

Fotos: Heike Kirschbaum

5 Fragen an Heike Geckeler

  1. Wandern oder Radfahren?
    Wandern.

  2. Selber singen oder Musik aus der Konserve?
    Musik aus der Konserve.

  3. Individualist oder Vereinsmensch?
    Vereinsmensch.

  4. Was fehlt hier – deiner Meinung nach?
    Ein Ort für Jugendliche, an dem sie sich treffen können, ohne sofort anzuecken oder Ärger auszulösen.

  5. Hast du hier schon einmal eine Eule gehört oder gesehen?
    Gesehen noch nicht. Vielleicht gehört – oder es war doch eine Taube.

Was Jugendlichen hier fehlt

Was Jugendlichen hier fehlt

Was Jugendlichen hier fehlt

Jugendliche brauchen Orte, an denen sie einfach sein dürfen. Ohne Programm, ohne ständige Kontrolle, ohne sofort als Störung wahrgenommen zu werden. Genau daran fehlt es in Degerschlacht – das wurde im Gespräch mit Heike Geckeler sehr deutlich.

Jugendliche brauchen einen Platz, wo sie niemanden stören

Viele Jugendliche treffen sich notgedrungen privat: bei Freunden zu Hause, im Garten, im Hof. Und fast immer dauert es nicht lange, bis sich jemand gestört fühlt. Dann werden die Eltern angesprochen – selten die Jugendlichen selbst. Dabei wäre ein direktes Gespräch auf Augenhöhe oft der sinnvollere Weg.

Heike Geckeler kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Sie hat Kinder zwischen 13 und 25 Jahren. Wenn deren Freunde zu Besuch kommen, gibt es fast immer jemanden, der sich gestört fühlt. Das eigentliche Problem ist dabei weniger das Verhalten der Jugendlichen als der fehlende Raum für sie.

Privater Bauwagen

Ein Beispiel dafür ist ein privater Bauwagen in der Balthasar-Neumann-Straße. Dort treffen sich regelmäßig Jugendliche im Alter von etwa 16 bis 17 Jahren. Auch dieser Treffpunkt liegt jedoch im Wohngebiet – und auch hier fühlen sich Nachbarn gestört. Das zeigt: Gute Ideen scheitern oft nicht an den Jugendlichen, sondern an der Lage der Orte.

Jugendtreff im Rathaus mit langer Geschichte

Auch der Jugendtreff im Rathaus hat eine lange Geschichte. Entstanden ist er vor vielen Jahren auf Initiative von Jugendlichen aus dem Dorf. Damals war der Ansatz genau richtig: Die Jugendlichen bekamen einen Schlüssel, organisierten sich selbst und übernahmen Verantwortung für ihren Raum. Als sie später für Ausbildung und Studium Degerschlacht verließen, wurde der Raum eine Zeit lang nicht genutzt.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

Im Rathaus gleich hinter der Eule ist der Jugendclub Degerschlacht. Geöffnet ist er jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren

Lage Konfliktpunkt

Einige Jahre später griffen Eltern aus dem Ort die Idee wieder auf. Ihre Kinder waren damals zwischen 14 und 16 Jahre alt. Auch diese Initiative wurde getragen, unterstützt und begleitet – unter anderem von engagierten Eltern aus dem Dorf. Doch auch damals gab es immer wieder Beschwerden von Anwohnern. Das Rathaus steht mitten im Ort. Die Lage blieb ein Konfliktpunkt.

Inzwischen professionell betreut

Heute gibt es den Jugendtreff weiterhin. Inzwischen wird der Jugendclub professionell betreut – durch einen Diplom-Sozialpädagogen der Jugendarbeit Nordraum. Die Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren. Geöffnet ist der Treff dienstags von 16 bis 18 Uhr.

Das ist ein wichtiges Angebot. Aber es ist nicht alles.

Platz außerhalb der Wohngebiete wäre schön

Was weiterhin fehlt, ist ein Ort für ältere Jugendliche. Ein Platz außerhalb der Wohngebiete, an dem sie sich treffen können, ohne sofort anzuecken. Ein Ort, den sie selbst verwalten und organisieren dürfen – mit Vertrauen statt Misstrauen. In anderen Gemeinden gibt es solche Lösungen. Für Degerschlacht wäre das ein starkes Signal.

Jugendliche brauchen Räume. Und Erwachsene, die mit ihnen reden – nicht nur über sie.

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Die „Neue“ im Kirchenbüro

Die „Neue“ im Kirchenbüro

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Seit Anfang Dezember gibt es bei der Evangelische Kirchengemeinde Degerschlacht-Sickenhausen wieder eine feste Ansprechpartnerin. Heike Geckeler ist seit dem 1. Dezember 2025 als Assistentin der Gemeindeleitung tätig. Früher hätte man diese Stelle vermutlich Gemeindesekretärin genannt.

Kirchenbüro wieder regelmäßig besetzt

Mit ihr ist auch das Kirchenbüro in der Leopoldstraße 9 wieder regelmäßig besetzt: dienstags und donnerstags vormittags ab 8 Uhr. Für viele war das lange Zeit ein offener Punkt – jetzt gibt es wieder eine klare Anlaufstelle.

Für die komplette Verwaltungsarbeit zuständig

Heike Geckeler ist für die komplette Verwaltungsarbeit der Kirchengemeinde zuständig und Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Gemeinde. Bisher ging es vor allem um Termine: Wann ist das Gemeindehaus frei? Welche Veranstaltungen finden dort statt oder sind geplant? Dazu kommen Anfragen zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Außerdem sorgt sie dafür, dass alle Termine der Kirchengemeinde Degerschlacht-Sickenhausen im Mitteilungsblatt erscheinen.

Anfragen zu Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Termine im Blättle

Da sie erst seit gut einem Monat im Amt ist und diese Zeit von Feiertagen geprägt war – Weihnachten, Silvester, Neujahr und Dreikönig –, steckt sie noch mitten im Einfinden. Welche Anfragen im Alltag tatsächlich überwiegen, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Assistentin der Gemeindeleitung Heike Geckeler an ihrem Arbeitsplatz

Als ich sie im Kirchenbüro besucht habe, war sie gerade dabei, die Einladungen für den Neujahrsempfang fertigzustellen. Auch an Geburtstage und Jubiläen wird gedacht: Karten werden vorbereitet und verschickt.

Mit der neuen Assistentin der Gemeindeleitung ist das Kirchenbüro wieder verlässlich erreichbar – und vieles, was vorher liegen geblieben ist, bekommt nun wieder einen festen Platz.

Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde Degerschlacht-Sickenhausen

Leopoldstraße 9
Degerschlacht
72768 Reutlingen

Tel.: 07121-600249
Fax: 07121-96718

E-Mail: Pfarramt Degerschlacht

„Karussellfleisch“ – oder „Der erste Döner kam aus Degerschlacht“

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Wo und wie in Reutlingen der erste „Deutsche Döner“ entstand und warum er einst „Karussellfleisch“ hieß

Ein Stück Degerschlachter Geschichte – erzählt von Wilfried Gehr

Wer hat’s erfunden?

Es gibt manche Geschichten um die Entstehung des „Deutschen Döner“.

Berlin behauptet und weist offiziell nach, dass türkische Berliner ihn 1972 erstmals dort angeboten haben. Das mag ja stimmen.

Den ersten Döner gabs 1969 beim Reutlinger Stadtfest

Nachweislich gab es aber schon beim ersten Reutlinger Stadtfest im Jahr 1969 einen Döner in dieser heutigen Form.

Allerdings wurde er beim Stadtfest als „Karussellfleisch“ verkauft, weil die Erfinder dachten, dass die Reutlinger nichts mit den Worten Döner oder Giros anfangen können.

Um die Entstehung und das wer und wo findet man im Internet viele Geschichten und Spekulationen.

Als Zeitzeuge kann ich zur Aufklärung beitragen:“

An den Ausführungen im Netz, dass es ein Grieche war, der den Deutschen Döner erfunden hat, dass Stelios Kantos dabei war, dass Leberkäse mit drin war, dass die Verkaufspremiere beim Stadtfest Reutlingen 1969, also zwei Jahre vor Berlin war, ist was dran!

Die ganze Geschichte:

Als das erste Reutlinger Stadtfest 1969 anstand wollten sich auch die Degerschlachter Vereine und Wirte einbringen.

Gastwirt und Pächter im Sportheim des SV Degerschlacht war damals der pfiffiger Grieche  „Apostolos“.  (Später hatte Apostolos lange eine griechische Gaststätte am Reutlinger Bahnhof).

 Die Idee vom riesigen Fleischspieß wie in der Heimat

Apostolos hatte die Idee von einem riesigen Fleischspieß, wie er ihn ähnlich von seiner Heimat in Erinnerung hatte und das Rezept kannte er nicht mehr.

Einen grossen Spieß hatte er auch nicht. Aber die Leute am Stammtisch im Degerschlachter Sportheim haben geholfen.

Ein dort hängender recht grosser gusseiserner Halter für eine 3-Liter oder 5-Liter Flasche Scharlachberg Meisterbrand wurde als Ständer und Basis für den Spieß auserkoren.

 Flaschenhalter mit Kurbel zum Drehen

Der Schlosser vom Ort, Rudi Lumpp, wurde beauftragt, einen riesigen Spieß zu fertigen und diesen mit einer Kurbel zum Drehen an den Halter zu bauen.

Als Fleischheizung brachte Karl Schelling von der Firma Wagner am Buckel einen alten Elektroofen der dort beim Pförtner stand, ein.

 Elektroofen von der Firma Wagner

In der Zimmerer-Werkstatt von meinem Vater, Wilhelm Gehr, in der heutigen Martin Knapp Straße wurden dann der gusseiserne Ständer und die Heizspiralen aus dem alten Ofen auf ein sehr dickes eichenes Holz, das eigentlich als Treppenstufe vorgesehen war, geschraubt. Für den Anfang wurde der Spieß von Hand gedreht. Später sollte dann noch ein Motorle angebaut werden.

Beim Einschalten flog die Sicherung raus

Weil beim Einschalten der abenteuerlich an die Spießform angepassten Heizspirale aus dem Ofen immer wieder die Stromsicherung raus flog, wurde extra der Elektriker Weber aus Wannweil angefordert. Der hatte eine Lösung gefunden.

Hier fing alles an: Der erste Döner hieß Karussellfleisch und kam aus Degerschlacht

Hier fing alles an: Im Sportheim Degerschlacht gab es schon 1969 den ersten deutschen Döner – zwei Jahre bevor die Berliner ihn entdeckten. 

 Der Spieß auf der Hobelmaschine

Der Testlauf mit Probeessen fand dann auch in der Werkstatt der Zimmerei statt. Apostolos brachte das Fleisch und tatsächlich auch Leberkäse mit. Er und Stelios bestückten den Spieß auf der Hobelmaschine. Was die da reinpacken weiss ich nicht. Alle hatten aber ihren Spaß.

Knoblauch aus Sickenhausen und Weckle vom Degerschlachter Bäcker

Sepp Litter musste extra nach Sickenhausen fahren, weil nur er den benötigten Knoblauch zuhause hatte.  Wilhelm Knapp und ich haben damals erstmals Knoblauch gesehen und ihn kalt gegessen.

Birgit Saur und ich mussten später Weckle vom Degerschlachter Bäcker holen. Dann ging es los.

Testessen und ein flambierter Fleischspieß

Zum Testessen in der Werkstatt waren der frühere Bürgermeister Manfred Saur, Karl Schelling, Heinz Jedele, Hans Vogel, Ernst Weimar, Erich Rist, Kurt Pfanner, Rolf Grauer, Kurt Schmid, Wilhelm Knapp, Ewald Kirschbaum und Richard Schäfer sowie die Kinder Birgit Saur und ich da.

Richard Schäfer brachte eine riesige Flasche Scharlachberg Meisterbrand mit. Irgendwann haben die Feiernden dann sogar den Fleischspieß mit dem Weinbrand flambiert.

Das größte Messer im Dorf für die Griechen

Heinz Jedele hat das große Messer, mit dem die Griechen das Fleisch abschnitten, immer wieder mit einem Wetzstein für die Sense scharf gemacht.

Weil sehr viel Fett auf die Holzplatte getropft ist, wollte Ewald Kirschbaum über seinen Schwager noch eine hygienische Schale aus Nirosta bei der Firma Rieber in Betzingen besorgen.

Fleisch und Joghurtsoße im Weckle ohne Teller

Da nicht genügend Teller da waren, hat Apostolos das Fleisch und die Joghurtsoße mit Gurken, welche die Frau von Apostolos brachte, einfach direkt in die aufgeschnittenen Weckle gesteckt. Flecken in der Kleidung und auf dem Werkstattboden als Folge waren klar.

 Diskussionen um den Namen

Wegen dem Namen für das neue Fleischgericht beim Stadtfest gab es Diskussionen. Die Leute waren der Meinung, dass niemand von den Festbesucheen mit den Bezeichnungen Kebab oder Giros etwas anfangen kann und das zu ausländisch klang.

Es wurden Namen dann Namen wie „Cognacfleisch“, „Griechen-“ oder „Türkenfutter“ genannt.

Am Schluss haben sie sich die sehr lange Feiernden dann auf Karussellfleisch geeinigt. Als solches wurde der Kebab dann auch beim Stadtfest verkauft.

Karussellfleischessen auf dem Marktplatz beim Stadtfest

Beim Stadtfest selbst hatte die Feuerwehr Degerschlacht, bei der ich war, mit einem  Nagelbalken ein gutes Geschäft gemacht. Deshalb haben wir uns selbst zum Karussellfleischessen auf den Marktplatz eingeladen.

Wer hats erfunden? Wir  Degerschlachter!

Es ist also definitiv klar, dass der erste „Deutsche Kebab“ in Reutlingen, genauer gesagt in Reutlingen-Degerschlacht, entstanden ist. Die Antwort auf „wer hat’s erfunden“ ist damit klar!

Wilfried Gehr