Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis

„Sachstand Pflegepilot Degerschlacht“. So stand es als Punkt 2 der Tagesordnung auf der Einladung zur Ortschaftsratssitzung. „Wir haben diesmal das Gemeindehaus als Treffpunkt gewählt“, hatte Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl erzählt, als ich sie vor ein paar Tagen traf. Das sei barrierefreier als der zweite Stock im Rathaus, erklärte sie. Schließlich interessiere das Thema gerade viele Ältere im Ort – und die seien eben nicht mehr so gut zu Fuß.

Ich war gespannt. Natürlich. Ich war ja auch dabei, als wir 2019 die Zusage bekamen, dass das Pflegeheim für Degerschlacht und Sickenhausen hier gebaut werden sollte.

Der große Dämpfer

Doch die Umsetzung hatte sich hingezogen. Die erste Hürde war es, Bauträger und Träger fürs Heim zu finden. Und die hatten bisher allesamt einen Rückzieher gemacht. Das Problem: Pflegemitarbeiter zu finden.

Nun also stand das Thema wieder auf der Tagesordnung. Bernd Opitz, Abteilungsleiter der Abteilung für Ältere bei der Stadt Reutlingen, war gekommen, um über den aktuellen Stand zu berichten.

„Inzwischen ist es sicher“, erklärte Opitz gleich zu Beginn:

„Das Pflegeheim kommt nicht.“

Die Stadt habe mehr als acht Pflegeheimträger angesprochen – auch über die Grenzen Reutlingens hinaus. Aber niemand sei bereit oder in der Lage gewesen, das Projekt zu stemmen.

Kein Personal, keine Chance

Das Hauptproblem: Es gibt kein Personal. Niemand ist da, um die Pflege zu übernehmen. Die Stadt habe auch versucht, Mitarbeiter aus dem Ausland anzuwerben, doch auch hier seien nicht genügend Kräfte zu finden gewesen.

Nun hat die Stadt in Degerschlacht also ein schönes Grundstück, auf dem, wie Opitz erklärte, drei Häuser gebaut werden könnten, aber keine Aussicht mehr auf das Pflegeheim, für das das Grundstück ja eigentlich gekauft worden war. Sogar fertige Pläne hatte es schon gegeben. Es war also schon ziemlich viel Geld ausgegeben worden, ohne dass es einen Nutzen dafür gegeben hatte. Und das in Zeiten, in denen die Gemeinden ohnehin kein Geld haben.

„Wir suchen nach einer Alternative“, erklärte Opitz. Schließlich sei der Pflegebedarf ja da und würde in den kommenden Jahren noch größer werden.

Nun soll ein „Pilotprojekt Pflege Degerschlacht“ erarbeitet werden, das dann auch in anderen Ortschaften umgesetzt werden kann.

Bisher weiß noch niemand, was genau dabei entstehen soll. Begriffe wie „Beratungen“, „Ärzte“, vielleicht eine Pflege-WG stehen im Raum. Was genau möglich ist, weiß niemand. Was finanzierbar ist, auch nicht.

 

Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis

Und dafür gibt es jetzt dann erstmal Workshops. Zwei Stück. Mit Fachleuten, mit potenziellen Trägern, mit einem Berater, der den Prozess begleitet. Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis.  Dafür steht die Finanzierung. Und wenn alles gut läuft, könnte vielleicht bis 2027 ein Konzept entstehen. Vielleicht. Nichts Genaues weiß man bisher noch nicht.

Die Zuschauer im Saal haben das mit einer Mischung aus Skepsis und Galgenhumor aufgenommen. „Die Reutlinger wollen einfach nicht“, meinte jemand. Vielleicht ist es aber auch komplizierter. Vielleicht ist aber auch genau das das Problem: Es ist kompliziert – und niemand traut sich, es einfach mal zu machen.

Wenig Klarheit

Am Ende dieses Abends bleibt zumindest bei mir eins hängen: Die Stadt hat ein Grundstück, aber keinen Plan. Die Menschen haben Bedürfnisse, aber keine Antworten. Aber die Stadt hat Workshops.

Vielleicht kommt etwas Gutes dabei heraus. Vielleicht wird es ein Modellprojekt, das funktioniert. Vielleicht. Für den Preis, den so ein Prozess kostet, ist mir das allerdings eine zu teure Angelegenheit bei so vielen „Vielleichts“.

Und nun? Abwarten und Tee trinken?

Das jedenfalls macht jetzt

Eure Eulalia, die Eulenfrau aus Degerschlacht.