Klappstuhl-Treffen in Degerschlacht – das erste Mal

Degerschlacht hat seine Stühle ausgeklappt: Beim ersten Klappstuhl-Treffen im Hof des Kindergartens trafen sich Nachbarn aller Generationen – mit Salzbrezeln, Chips, Radler und sogar einem umgebauten Rasenmäher als Biermobil. Die Idee, schon vor Jahren im Bezirksgemeinderat angestoßen, wurde nun Wirklichkeit. Und es war bestimmt nicht das letzte Treffen dieser Art.

Dass es ein schöner Abend werden würde, hatte ich schon geahnt, als ich die kleine Notiz auf Degerschlacht News gelesen hatte und mich gefreut. Am Mittwoch hatte ich dann den ganzen Tag an meinem Schreibtisch gesessen und immer wieder zum Himmel geschaut: Wird das Wetter halten? Bis am Tag vorher war es noch sommerlich warm und die Sonne hatte geschienen, was das Zeug hielt und ausgerechnet am Mittwoch kippte das Wetter. Es war zwar warm, aber immer wieder gab es kleine Regenschauer.

Das Wetter spielt mit: Es bleibt trocken

Ob bei dem Wetter jemand kommt?, überlegte ich skeptisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dachte ich. Mein Optimismus hatte gesieght. Ich packte Chips und Radler ein und zog mit meinem Lieblingsehemartin los. Den Klappstuhl hatten wir erstmal zu Hause gelassen. Den konnten wir ja immer noch holen. Schließlich ist das Rathaus nur schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite unsere.

Ein Platz für die Dorfgemeinschaft?

Ich erinnere mich noch gut: Damals, als Willi Walker und ich noch Mitglieder des Bezirksgemeinderates waren, hatten wir darüber gesprochen, wie wir unseren Ort beleben könnten. Ob es nicht möglich wäre, irgendwo im Ort einen Platz zu finden, an dem sich die Menschen hier im Flecken treffen können, miteinander plaudern, sich begegnen und kennenlernen könnten. Generationsübergreifend. Alte, junge, mit und ohne Familien, mit Freunden und solchen, die es werden könnten.

Willi hatte damals die Idee. Wenn erst der Kindergarten hier aus dem Rathaus ausgezogen wäre, träumte er, dann wäre der Hof mit dem kleinen überdachten Teil hinterm Rathaus einfach ideal für so etwas.

Wir waren damals alle seiner Meinung.

Der Kindergartenhof wird Treffpunkt

Inzwischen ist das Bildungshaus für die Kinder in der Straße Am Wasserturm fertig. Die Kinder sind eingezogen und im Oktober wird das neue Zuhause für Degerschlachts Nachwuchs mit einem großen Fest eingeweiht.

Die kleinsten Krippenkinder bleiben nun aber dennoch im Rathaus. Die Räume werden also weiterhin für die Betreuung benötigt.

Inspiration aus Kusterdingen

Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl hatte die Idee von damals nun wieder aufgegriffen und zu einem Klappstuhlfest eingeladen. Sie hatte gehört, dass in Kusterdingen etwas Ähnliches auf die Beine gestellt worden war. Die Initiative „Härtenfunk“ lädt dort inzwischen seit zwei Jahren regelmäßig zu so einem Klappstuhl-Treffen ein. Hier gehe es aber, anders als in Degerschlacht, vor allem auch um den Kontakt mit den umliegenden Gemeinden, erzählte Ute Dunkl. In Degerschlacht wolle man erstmal die Nachbarn aus der eigenen Gemeinde zusammenbringen. Sickenhausen, als direkte Nachbargemeinde könnte man vielleicht später ebenfalls einladen.

Gemeinsam mit Jörg Maurer hatte sie das Treffen organisiert.  Lukas Pasler und Robby hatten in den sozialen Medien kräftig die Werbetrommel gerührt.

„Holt euch einen Klappstuhl“

„Wir haben gerade von euch gesprochen“, strahlte unsere Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl, als wir ankamen. „Holt euch einen Klappstuhl aus der Garage“, sagte sie, „da stehen noch eine ganze Menge.“

„Setzt euch zu uns“, grinste einer von denen, die schon ihren Platz gefunden haben. „Es ist wie beim Elternabend im Kindergarten: Wir machen einen Stuhlkreis“, sagte er und lachte. Der Klappstuhl-Treff war schon gleich zu Beginn gut besucht. Und es waren wirklich alle Degerschlachter Generationen dabei. Das jüngste Nachbarkind stampelte im Kinderwagen, ein kleines Mädchen versorgte alle mit Salzbrezeln. Die Ältesten waren im Großelternalter und auch dazwischen war alles vertreten.

Das Biermobil

Und dann tuckerte ein ganz besonderes Gefährt die Martin-Knapp-Straße entlang. Einer der Degerschlachter Nachbarn hatte einen Rasenmäher zum Biermobil umgebaut. Das Gefährt machte eine Menge Radau und fuhr schließlich mit Getöse im Schneckentempo auf den Hof des Kindergartens ein. Einige Nachbarn zogen los und besorgten Biergläser und Humpen und dann gab es Bier vom Fass.

Aber vor allem gab es eins: Eine tolle Stimmung, viel Spaß, gute Gespräche und jede Menge Ideen für weitere Aktivitäten.

Ideen für die Zukunft

Der Abend war ein voller Erfolg. Deshalb wird es hier auch künftig solche Klappstuhl-Treffen geben. „Eine Feuerschale wäre jetzt schön“, überlegte Ute Dunkl, als es dunkel geworden war.  Das Licht der Straßenlaternen war von Bäumen und vom Rathaus verdeckt. Doch die Idee wurde gleich wieder verworfen. Zu viel Aufwand, war die einhellige Meinung. Das nimmt der Sache die Spontaneität. Es seien dann Vorbereitungen nötig, Holz müsste bereitgestellt werden und jemand müsste aufpassen, dass das Feuer aus sei, bevor alle nach Hause gegangen seien. Windlichter, Sonnengläser oder ähnliche Leuchtmittel wären eine gangbare Alternative.

„Ich organisier das“, versprach Ute.

Der Vorschlag,  beim nächsten Mal einen Plattenspieler zu organisieren, damit jeder,  der noch Schallplatten irgendwo auf seinem Dachboden fände, sie mitbringen könnte, kam gut an. „Es könnte auch getanzt werden“, so einer Klappstuhl-Gäste augenzwinkernd. Schaun wir mal …