Gottlob und Gustav Maier – zwei verkannte Genies vom Degerschlachter Entenhof

Degerschlacht (wige) In einem kleinen Holzpavilion am Wagner Buckel in Reutlingen haben sie sich gelegentlich getroffen um Most aus Degerschlacht zu trinken. Es waren die jungen Männer Gottlieb Daimler, Robert Bosch, Wilhelm Maybach und die Brüder Gottlob und Gustav Maier aus dem Degerschlachter Entenhof.

Wilhelm Maybach wuchs in Reutlingen auf

Im Pavillon in Reutlingen deshalb, weil der Vollwaise Maibach von Gustav Werner aufgenommen wurde. Maybach wuchs in Reutlingen auf und nutzte die Bildungschance die er von Werner bekam.

Bei den Gesprächen der Automobilpioniere, Technikfreaks und Tüftler ging es wohl meist um das Thema Motor und Technik.

Während Bosch, Daimler und Maybach nicht nur technisch sondern auch wirtschaftlich mehr als erfolgreich wurden, blieb bei den Gebrüder Maier der grosse wirtschaftliche Erfolg aus.

Der kleinste Motor der Welt

Dies, obwohl Gottlob Maier den kleinsten Motor der Welt, welcher kleiner als eine Erbse war, erfunden und sogar patentieren lassen hat. Die auf Grundlage dieses Patents weiterentwickelten Minimotoren sind heute in nahezu jedem technischen Gerät, in der Medizintechnik, in Spielzeug, der Robotechnuk usw. verbaut. Doch Gottlob Maier hatte nicht viel davon. Robert Bosch übernahm von Maier, der auch an der Entwicklung des Bosch Scheibenwischermotors beteiligt war, das Patent.
Dank Bosch hat Gottlob wenigstens einen ordentlichen Industriejob bekommen und deshalb seinen Heimatort Degerschlacht verlassen. Reich und berühmt wurde er aber nicht. (Der Erfinder Gottlob Maier hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Firma in Reutlingen zu tun.)

Motoren für landwirtschaftliche Maschinen

Auch Gottlobs Bruder Gustav war ein genialer Tüftler, Macher und Erfinder. In seiner technischen Werkstatt im Degerschlachter Entenhof entwickelte er Systeme zum Einbau von Motoren in bis dahin von Pferden und Ochsen gezogene landwirtschaftliche Maschinen. Wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt hat diese Ideen allerdings nicht Maier sondern sein Bekannter, Christian Friedrich Holder aus Metzingen. Auch als Holder später landwirtschaftliche Kleingeräte baute, haben die Metzinger immer wieder Lösungen vom Maiergustav geholt und sein Können und seine Gutmütigkeit genutzt.
Gustav Maier interessierte sich auch für Funktechnik und hat schon 1920 in Degerschlacht Funksignale aus Spanien erhalten.

Das Bild stammt aus dem Degerschlacht-Buch zum Jubiläum 900 Jahre Degerschlacht.
Mit freundlicher Genehmigung aus dem Bezirksamt Degerschlacht.

Die Bürger von Degerschlacht haben ihr wirtschaftlich nicht gerade erfolgreiches Genie unterschätzt und seine Fähigkeiten kaum erkannt. Nur die Kinder und Jugendlichen vom Ort haben den Maiergustav richtig gemocht und verehrt. Dies, weil er immer geholfen hat, wenn es an der Märklin Modelleisenbahn was zu Löten gab oder wenn die 3-Gang Schaltung am Fahrrad nicht funktionierte. Er war so was wie der Daniel Düsentrieb, der alles kann, für sie.

Der „Daniel Düsentrieb“ von Degerschlacht

Unvergesslich für den Verfasser dieser Erinnerung ist, wie ihm der Maiergustav an seinem riesengrossen Trafo spürbar gezeigt hat, wie elektrischer Strom wirkt. Wenn er schwach ist, kribbelt es nur leicht, wenn er stärker wird, tut es ein wenig und dann richtig weh. Dann hat er sehr deutlich und anschaulich erklärt, dass der Strom aus der Steckdose oder vom Hochspannungsmast lebensgefährlich und tödlich ist. Dies hat jedes Kind kapiert und seitdem besteht größer Respekt vor elektrischem Strom.

Wirkungen von elektrischem Strom erklärt

Bei einem seiner letzten Geschäfte vor seinem Tod wurde Gustavs wirtschaftliche Unbeholfenheit und Gutmütigkeit nochmals ausgenutzt. Sein wirklich wertvolles Schütoff Motorrad, das er professionell motor- und elektrisch top aufgemotzt hatte, schwatzte ihm ein Sammler aus Pliezhausen mit der Zusage, dass er ihm jeden Monat eine Flasche Barbarossa Rotwein in den Entenhof bringt, ab.
Mehr als drei Flaschen des billigen Weines musste er nicht mehr bringen