Was Jugendlichen hier fehlt
Jugendliche brauchen Orte, an denen sie einfach sein dürfen. Ohne Programm, ohne ständige Kontrolle, ohne sofort als Störung wahrgenommen zu werden. Genau daran fehlt es in Degerschlacht – das wurde im Gespräch mit Heike Geckeler sehr deutlich.
Jugendliche brauchen einen Platz, wo sie niemanden stören
Viele Jugendliche treffen sich notgedrungen privat: bei Freunden zu Hause, im Garten, im Hof. Und fast immer dauert es nicht lange, bis sich jemand gestört fühlt. Dann werden die Eltern angesprochen – selten die Jugendlichen selbst. Dabei wäre ein direktes Gespräch auf Augenhöhe oft der sinnvollere Weg.
Heike Geckeler kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Sie hat Kinder zwischen 13 und 25 Jahren. Wenn deren Freunde zu Besuch kommen, gibt es fast immer jemanden, der sich gestört fühlt. Das eigentliche Problem ist dabei weniger das Verhalten der Jugendlichen als der fehlende Raum für sie.
Privater Bauwagen
Ein Beispiel dafür ist ein privater Bauwagen in der Balthasar-Neumann-Straße. Dort treffen sich regelmäßig Jugendliche im Alter von etwa 16 bis 17 Jahren. Auch dieser Treffpunkt liegt jedoch im Wohngebiet – und auch hier fühlen sich Nachbarn gestört. Das zeigt: Gute Ideen scheitern oft nicht an den Jugendlichen, sondern an der Lage der Orte.
Jugendtreff im Rathaus mit langer Geschichte
Auch der Jugendtreff im Rathaus hat eine lange Geschichte. Entstanden ist er vor vielen Jahren auf Initiative von Jugendlichen aus dem Dorf. Damals war der Ansatz genau richtig: Die Jugendlichen bekamen einen Schlüssel, organisierten sich selbst und übernahmen Verantwortung für ihren Raum. Als sie später für Ausbildung und Studium Degerschlacht verließen, wurde der Raum eine Zeit lang nicht genutzt.

Im Rathaus gleich hinter der Eule ist der Jugendclub Degerschlacht. Geöffnet ist er jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren
Lage Konfliktpunkt
Einige Jahre später griffen Eltern aus dem Ort die Idee wieder auf. Ihre Kinder waren damals zwischen 14 und 16 Jahre alt. Auch diese Initiative wurde getragen, unterstützt und begleitet – unter anderem von engagierten Eltern aus dem Dorf. Doch auch damals gab es immer wieder Beschwerden von Anwohnern. Das Rathaus steht mitten im Ort. Die Lage blieb ein Konfliktpunkt.
Inzwischen professionell betreut
Heute gibt es den Jugendtreff weiterhin. Inzwischen wird der Jugendclub professionell betreut – durch einen Diplom-Sozialpädagogen der Jugendarbeit Nordraum. Die Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren. Geöffnet ist der Treff dienstags von 16 bis 18 Uhr.
Das ist ein wichtiges Angebot. Aber es ist nicht alles.
Platz außerhalb der Wohngebiete wäre schön
Was weiterhin fehlt, ist ein Ort für ältere Jugendliche. Ein Platz außerhalb der Wohngebiete, an dem sie sich treffen können, ohne sofort anzuecken. Ein Ort, den sie selbst verwalten und organisieren dürfen – mit Vertrauen statt Misstrauen. In anderen Gemeinden gibt es solche Lösungen. Für Degerschlacht wäre das ein starkes Signal.
Jugendliche brauchen Räume. Und Erwachsene, die mit ihnen reden – nicht nur über sie.
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