Mutscheln hat auch in Degerschlacht Tradition

Die Mutschel ist ein traditionelles, aus Reutlingen stammendes Gebäck. Sternförmig, mit acht Zacken, aus mürbem Hefeteig – und vermutlich schon seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Um ihre Form ranken sich bis heute Legenden: von der Achalm in der Mitte, von einer goldenen Kette, von den Reutlinger Zünften, die in den Zacken symbolisiert sein sollen. Sicher ist: Die Mutschel gehört zur Reutlinger Identität.

Der erste Donnerstag nach Dreikönig

Traditionell wurde am Mutscheltag – dem ersten Donnerstag nach Dreikönig – um die Mutscheln gewürfelt. Früher offenbar mit besonderer Narrenfreiheit, über mehrere Tage hinweg, in Wirtshäusern und bei den Bäckern. Wikipedia beschreibt diese Bräuche detailliert, von Würfelspielen wie „Große und kleine Hausnummer“, „Nackets Luisle“ oder „Der Wächter bläst vom Turme“.

Bäckereien als Begegnungsstätten

Soweit die überlieferte Tradition. Daneben gibt es Erinnerungen, die sich nicht mehr eindeutig belegen lassen, die aber trotzdem etwas erzählen: dass Mutscheln ursprünglich auch ein Bäckerbrauch waren. Dass Reutlinger Bäckereien früher nicht nur Verkaufsstellen, sondern Begegnungsorte waren. Orte, an denen man nach Feierabend zusammensaß. Um Menschen in die Backstuben zu holen, ließen sich die Bäcker immer wieder besondere Anlässe einfallen – Mutscheln gehörten dazu.

Erinnerungen

An einen Vortrag über das Reutlinger Bäckerhandwerk erinnere ich mich noch vage. Karl Wucherer soll damals darüber gesprochen haben. Sicher bin ich mir nicht mehr in allen Details. Woran ich mich aber gut erinnere: Viele Bäckereien hatten früher tatsächlich kleine Gaststuben. Auch unser Degerschlachter Bäcker Eberhard Ruggaber hatte so eine. Als wir 1993 nach Degerschlacht gezogen sind, gab es die Bäckerei noch. Die Gaststube war da – aber nicht mehr bewirtschaftet. Seine Mutscheln allerdings waren legendär. Die Bäckerei ist inzwischen geschlossen. Was bleibt, sind Erinnerungen.