Gummibärchen, Halloween und 19 Pfennig für Salz

„Du musst ihn schon daran gewöhnen. Sonst mag er es am Ende nicht.“

Meine Mutter war entsetzt. Ihr kleiner Enkel wollte partout kein Gummibärchen essen. Dabei hatte sie ihn auf dem Arm und sich solche Mühe gegeben, ihm eines in den Mund zu stopfen.

„Bekommt das arme Kind nie Süßigkeiten?“, fragte sie.

Äh – ja. Oder besser nein. Muss ich mein Kind daran gewöhnen, Süßigkeiten zu essen?
Nein. Muss ich nicht.

Mein armes Kind

Unser Sohn machte sich damals einfach nichts aus Süßigkeiten. Alles, was ich ihm jemals mitgebracht hatte, aß ich am Ende selber auf.

Aber wie komme ich jetzt auf Gummibärchen?

Ach ja. Halloween.

Ich bin ohne Halloween aufgewachsen. Und ich dachte eigentlich immer: Halloween? Braucht man das? Nach dem Valentinstag noch so ein amerikanischer Brauch, der vor allem dazu da ist, den Konsum anzuregen und Dinge zu verkaufen. Zum Valentinstag sind es Blumen und Pralinen und zu Halloween eben vor allem Süßigkeiten.

Kinder klingeln an Türen und stellen dich vor die Wahl: „Schleck oder Streich“, im amerikanischen Original „Trick or Treat“.

Und ich saß jedes Mal völlig unvorbereitet da. Weil ich wieder nicht auf dem Schirm hatte, dass es Halloween überhaupt gibt. Und dann wusste ich nicht, wie ich mit den traurigen Kinderaugen umgehen sollte.

Apfel statt Gummibärchen?

Ich hätte ihnen ja gern irgendwas gegeben. Aber was?

Süßigkeiten? So viele Süßigkeiten für die Kinder. Ist das gut? Na ja, es sind nicht meine Kinder, also haben die Eltern zu entscheiden.

Aber was habe ich denn überhaupt im Haus?

Einen Apfel?

Wie geht es wohl den Kindern, wenn sie auf Süßigkeiten hoffen und stattdessen einen Apfel bekommen?

Ich bin Diabetikerin. Ich habe eher wenig Süßigkeiten im Haus. Meistens. Außer Traubenzucker oder Gummibärchen, die mich bei Bedarf aus einer Hypo holen sollen.

Ja, das geht schon. Davon habe ich ja eigentlich meistens – leider nicht immer – genügend im Haus. Also jedenfalls genügend, dass ich etwas davon abgeben könnte.

Aber ist das gesund?

Okay, einmal im Jahr. Und außerdem ist es die Verantwortung der Eltern. Nicht meine.

Und schon bin ich wieder beim Zucker.

Zucker, Fett und Salz sind Geschmacksträger

Der steckt ja längst nicht nur in Gummibärchen, sondern auch in jeder Menge Fertigprodukten, in denen ich ihn gar nicht vermuten würde. Oft frage ich mich, ob damit nicht einfach an anderen, hochwertigeren Zutaten gespart wird. Zucker, Fett und Salz. Vielleicht nicht unbedingt gesund, bringt aber Geschmack. Und ist unter Umständen billiger als hochwertige Zutaten.

Und jetzt soll eine Zuckersteuer helfen. Allerdings vor allem bei süßen Getränken.

Ob das mein eigentliches Problem löst? Ich weiß es nicht.

Vielleicht wäre es ja schon ein Fortschritt, wenn wir uns daran gewöhnen würden, dass nicht alles süß schmecken muss.

Meine Mutter war eher beim Salz sparsam. Anders als bei Zucker verwendete sie davon wenig. Zu wenig, fand mein Vater: „Ach Erika“, versuchte er es diplomatisch, so wie er eben war, „du kannst ruhig etwas mehr Salz an die Speisen machen. Ich hab gesehen, ein Päckchen kostet gerade mal 19 Pfennige.“

Na gut. Eigentlich wollte ich ja über Halloween nachdenken.

Und nun bin ich über Gummibärchen, Zucker in Fertigprodukten und die Salzpreise meiner Kindheit bei der Zuckersteuer gelandet.

Auch einen Brauch, den es früher noch nicht gab, kann man durchaus genießen

Dabei wollte ich doch eigentlich nur erzählen, dass ich mit Halloween bisher nichts  anfangen konnte.

Bis ich am Samstagabend durch Degerschlacht spaziert bin und gesehen habe, wie viel Freude die Kinder hatten. Und wie viel Mühe sich die Menschen gemacht haben, um ihnen einen schönen Abend zu bereiten.

Vielleicht muss ja auch nicht jeder Brauch, den es in meiner Kindheit noch nicht gab, gleich überflüssig sein.

Und vielleicht darf man sich sogar über Halloween freuen, ohne deshalb gleich ein Freund von zu vielen Süßigkeiten zu werden.

Vielleicht lass ich mir im nächsten Jahr auch etwas einfallen,

überlegt

Eure Eulalia, die Eulenfrau aus Degerschlacht.