Halloween in Degerschlacht – in guter Nachbarschaft mit Gespenstern

Ein Straßen- und Familienfest

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Im vergangenen Jahr gab es einen Zeitungsbericht im GEA. Da hatten sie über das „Halloweenhaus“ in der Menzelstraße geschrieben. In der Degerschlachter WhatsApp-Gruppe fragten die Mitglieder: „Gibt es das Halloweenhaus in der Menzelstraße wieder?“, „Ab wann ist es geöffnet?“, „Bis wann ist es geöffnet?“ und „Kann man da am Sonntag auch noch kommen?“

Und ich wurde neugierig.

Ab 17:30 Uhr könne man in die Pavillons, stand da.  Gut, dachte ich. Das guck ich mir an. „Geh doch auch mal in die Spitzwegstraße“, sagte mein mich liebender Ehemann. „Das Haus da ist auch immer mir viel Liebe herausgeputzt.“

Ich zog also los. Unterwegs erreichte mich die Nachricht: „Wir öffnen heute erst um 18 Uhr. Wir brauchen etwas länger für die Vorbereitungen.“

Na gut, dachte ich, streif ich also durch den ganzen Ort. Vielleicht gibt es ja noch mehr zu sehen als nur in der Menzelstraße. 

Dunkle Gestalten mit rot leuchtenden Augen

In der Spitzwegstraße wurde ich von einer gruseligen dunklen Gestalt mit rot leuchtenden Augen begrüßt. Freundlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht konnte er sich ja nur nicht anders ausdrücken und er sagte eben auf seine Art „Ich wünsche einen schönen guten Art.“ Ich bin schließlich kein böser Geist. Man muss mich also nicht dringend vertreiben.

„Happy Halloween“ stand in blutgetränkten Buchstaben auf großen Bannern vor einem anderen Haus. Na ja – es wird ja schon kein echtes Blut gewesen sein. Gespenster in weißen Umhängen liefen herum. Spinnen und Netze. Oft richtig dicht gewebte Konkons hingen an Häusern, in Hecken an Bäumen. Jede Menge Gerippe. Mehr oder weniger Tote. Särge und Kreuze.

Und dann wurde es Zeit für die Menzelstraße.

Der Weg dahin. Jede Menge Autos säumten die Straßenränder. Parkplätze waren aus. Überall schälten sich mehr oder weniger gruselige Gestalten, aus den Fahrzeugen und machten sich auf den Weg in die Menzelstraße.

Lange erwartungsvoll wartende Schlangen

Nie im Leben hätte ich erwartet, was ich da gesehen hab. Vor den Pavillons gab es lange erwartungsvoll wartende Schlangen, die gekommen waren, um sich zu gruseln. Unzählige Kleine und große Geister, Gespensterchen, verstorbenen Prinzessinnen aus alten Zeiten mit und ohne Kopf, Hasen mit roten Augen, gruselige Clowns in den abenteuerlichsten Kostümen, die man sich vorstellen kann. Und alle hatten Spaß. Es war ein Straßenfest. Ein Familienfest. Fast schöner noch als alles, was ich bisher an Verkleidungsfesten gesehen haben. Die Häuser hatten sich herausgeputzt. Professionelle Shows wie in der Geisterbahn und überall liebevolle Gastgeber, die sich um die Kinder kümmerten. Es gab Süßigkeiten en masse. Um manche musste man spielen. Knicklichter und leuchtende Armbänder. Staunende Kindergesichter, fröhliche Eltern und Nachbarn. Und die ganze Straße machte mit.

2012 hat es mit vier Kürbissen angefangen, erzählt Sabine, die kleine und große Monster und andere Gestalten vor den Gruselpavillons in Empfang nahm. „Wir machen es inzwischen jedes Jahr“, erzählt sie. „Und für alle ist es ein risiger Gruselspaß“, sagt sie.

Zwei Wege hat sie mit ihrer Schwester und ihrem Schwager vorbereitet. Ein kleiner Weg für die ängstlicheren Kinder, auf dem es nur freundliche Geister gibt. Und dann ist da noch der Weg für die besonders mutigen. „Hier werden die kleinen und großen Besucher auch wirklich erschreckt“, verriet Sabine.

300 Tüten Süßigkeiten sind im vergangenen Jahr weggegangen. Das, was da am Abend des 31. Oktober in der Menzelstraße präsentiert worden war, sah nach einem riesigen Aufwand auf. „Ja, aber es sind ja viele Familien, die hier zusammen etwas auf die Beine stellen“, erzählt Sabine. „Damit wird es von vielen Schultern getragen.“ Eine Menge motivierter Leute seien dabei. Die Familien machen eine Menge zusammen. Die Nachbarschaft hält zusammen.

Und die Gäste haben jede Menge Spaß. Alles in allem: Ein rundherum gelungenes Event.

Halloween in Degerschlacht? Ist etwas ganz besonderes.

Irische Geister und amerikanische Kürbisse

Halloween – noch so ein amerikanischer Brauch, der zu uns herübergeschwappt ist?

Vielleicht. Aber ursprünglich kommt der Brauch gar nicht aus den USA. Er kommt aus Irland. Seinen Ursprung hat er in dem keltischen Neujahrs- und Erntefest Samhain. Der Brauch  ist mehr als 2000 Jahre alt. Er markiert das Ende der Erntezeit und den Beginn der kalten Winterzeit. An diesem Tag, glaubte man, sei die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünn. Eigentlich ist es ja auch ganz ähnlich dem, was Christen an Allerheiligen, also am 1. November, auch feiern. Da, so meinte man, könne man den Verstorbenen besonders nah sein. Ja, und weil die Grenze in der Nacht eben besonders dünn ist, war ja auch damit zu rechnen, dass nicht nur die guten Geister die Grenze überschreiten. Deshalb schützte man sich vor den bösen Geistern, indem man sich entsprechend verkleidete. Dann erkennen einen die bösen Geister nicht, war man damals überzeugt. Große Lagerfeuer halfen auch. Damals hat man dann auch gruselige Gesichter in Rüben geschnitzt. Auch die sollten die bösen Geister abhalten. Die ersten irischen Auswanderer hatten den Brauch mit nach Amerika gebracht. Und da wurde dann aus der Rübe ein Kürbis.

Gruselimpressionen