Bürgerschaftliches Engagement – mit Baggerbiss zum Bikepark

Wenn man von Degerschlacht nach Betzingen über die Felder läuft oder mit dem Rad fährt, sieht man es schon von weitem: Da an dem Schuppen von Florian Gehr bewegt sich was.

Unterstützt vom Bund Deutscher Radfahrer und dem Württembergischen Radsportverband entsteht hier ein Vorzeigeobjekt für bürgerliches Engagement.

Was als Idee im März vergangenen Jahres begann, entwickelt sich zu einem Freizeitprojekt für Degerschlacht. Und die Begeisterung der Initiatoren und aller, die daran beteiligt sind, ist ansteckend.

Es begann mit der Markungsputzete

Alles nahm seinen Anfang bei der jährlichen Markungsputzete. Florian Gehr war damals mit ein paar Kids der Freiwilligen Feuerwehr Degerschlacht unterwegs, um öffentliche Wege und Flächen vom Wintermüll zu befreien. Die Jungs und Mädels, die da mit Florian Gehr unterwegs waren, nahmen die Gelegenheit wahr, ihm zu erzählen, was sie sich wünschen: „Wir brauchen einen Bikepark“, erklärten sie dem früheren aktiven BMX-Sportler.

Nur noch „gschwind“ die Genehmigung

Florian Gehr dachte gar nicht lange über seine Antwort nach: „Das kriegen wir hin“, versprach er, „Ich hab den Platz, stelle meine Wiese gern zur Verfügung, kümmere mich um die Maschinen und den Boden“.

Er müsste eben nur noch „gschwind“ die Genehmigung bei der Stadt einholen und die Haftung klären.

Doch die meisten blieben zunächst skeptisch. Das Areal (120 x 30 Meter groß, was ungefähr der Hälfte eines offiziellen FIFA-Fußballfelds entspricht) liegt baurechtlich im Außenbereich und ist im Flächennutzungsplan als reine Landwirtschaftsfläche ausgewiesen.

Rückenwind aus dem Ortschaftsrat

Doch Gehr gab nicht auf. Unterstützung kam dann von Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl. Sie war von dem Projekt überzeugt und stellte die nötigen Kontakte her. Das Bürgerbüro Bauen schlug zunächst alternative Grundstücke vor. Doch keins davon war so gut geeignet, wie das Gehr-Gütle. Es ist gut erreichbar, groß genug und weit genug hinten auf den Feldern, so dass der Betrieb später niemanden stören würde.

Der Platz war ideal. Darüber waren sich alle einig.

Gelände zur Landwirtschaftlichen Nutzung

Doch ein Bikepark auf einem Gelände, das eigentlich zur landwirtschaftlichen Nutzung vorgesehen war, bedeutete für Initiator Florian Gehr zunächst einmal, sich durch den Dschungel aus Paragraphen und, Verordnungen durchzuarbeiten.

„Ich blick nicht mehr durch“, musste Gehr irgendwann gestehen und wandte sich an die Architektin Linea Sachs aus Betzingen.

„Ich nehm dir das ab“, versprach sie, zeichnete die ersten Entwürfe, koordinierte die Statiker und investierte bis heute rund 250 Stunden ihrer Freizeit. Der Gutachter für die Statik sowie Bauingenieur Tobias Bilger arbeiteten ebenfalls ohne Berechnung.

„Wenn wir das alles hätten regulär bezahlen müssen, hätte uns das Projekt bis heute locker 50.000 Euro gekostet“, erklärte Florian Gehr. Das Grundstück noch gar nicht mit eingerechnet.

Treffen im Reutlinger Rathaus

Mit den Plänen der Architektin konnte das Team die Verantwortlichen beim Treffen im September im Reutlinger Rathaus überzeugen. Alle Beteiligten gaben grünes Licht für das Vorhaben und sagten dem Degerschlachter Engagement ihre Unterstützung zu.

Die Baugenehmigung war an Auflagen geknüpft: Neben der Statikprüfung für die Hügel, einer Vermessung und einer Rückbau-Erklärung stand vor allem auch die Klima-Ausgleichsbilanzierung im Fokus. Die Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes hatte sich bei einem Vorort-Termin davon überzeugt, dass auch die Naturschutzauflagen eingehalten werden.

14.000 Klimapunkte für die Natur

Aktuell verfügt die Wiesenfläche über 8.000 sogenannte Klimapunkte. Durch die geplante, naturnahe Gestaltung, die Anpflanzen und Aussaat von Blumen für Bienen und Insekten wird der Wert nach der Fertigstellung auf 14.000 Klimapunkte steigen. Der Bikepark wird also auch ökologisch aufgewertet.

Die Baugenehmigung ist erteilt

Der rote Punkt an der Hütte

Seit vergangenem Freitag, am 25. September, klebt der „rote Punkt“ ab der Hütte auf dem Gehr-Gelände. Die Baugenehmigung der Stadt Reutlingen ist offiziell.  Stadtplaner Sebastian Geiger gratulierte und bot Unterstützung an.

Die Bagger rollen – das ganze Dorf packt an

Schon am Wochenende nach dem Bescheid begannen die meist jüngeren Mitglieder der Degerschlachter Feuerwehr, das Gelände von Gestrüpp zu befreien. Am Montag darauf war der Bagger da, mit dem die ersten Erdarbeiten in Angriff genommen werden konnten. Auch der war der Initiative kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Klaus Jedele von der Radsportgemeinschaft „Eile“ Degerschlacht hatte sich als Bauleiter zur Verfügung gestellt.  

Für die eigentliche Modellierung der Lines und Hügel werden nun rund 1.000 Tonnen Erde benötigt. Woher diese kommen, ist noch offen. Wenn alles gut geht, könnte daraus ein Azubi-Projekt werden, für das sich Ortschaftsrat und Feuerwehrkommandant Axel Walker einsetzt.

Funfact:

 

Die „Eile“ wurde im Jahr 1926 gegründet – also genau vor 100 Jahren!

Wenn der Bikepark wie geplant im Frühjahr 2027 offiziell eröffnet wird, ist das zudem genau 40 Jahre nach der historischen Wiedergründung des Vereins im Jahr 1987.

Wenn das mal kein super Geburtstagsgeschenk ist!

Und das Projekt braucht weiterhin Unterstützung! Egal ob an der Schaufel, bei den Erdarbeiten oder bei der Verpflegung der fleißigen Helfer – jede Hand wird gebraucht.

Wer mitschaufeln oder unterstützen möchte, findet alle Infos unter https://bikepark-degerschlacht.de oder meldet sich direkt per E-Mail an presse@bikepark-degerschlacht.de. Die Begeisterung in Degerschlacht steckt einfach an!

Und so soll es laufen:

Um den Bikepark rechtlich und organisatorisch abzusichern, hatten sich die Initiatoren den Radfahrverein Eile Degerschlacht e.V. als Pächter ins Boot geholt. Die „Eile“ unterschrieb den Vertrag für eine 20-jährige, unentgeltliche Nutzung und übernimmt die Pflege der Anlage. Für Florian Gehr ein charmanter Nebeneffekt: „Ich muss das Stückle nicht mehr alleine mähen!“

Ein festes Betriebskonzept regelt zudem die Öffnungszeiten.

Der Bikepark ist gedacht für alle Altersstufen, die Spaß am Sport auf zwei Rädern haben.

Dass er vor allem den Mitgliedern des Ratsportvereins zur Verfügung steht, hat vor allem versicherungstechnische Gründe. Für Nichtmitglieder sollen Gästekarten angeboten werden.

Es ist geplant, dass immer ein verantwortliches Mitglied während des Freizeitbetriebs vor Ort ist.