– Aus dem Ortschaftsrat –
Zukunfts-Konzept Bezirksämter – Der Anfang vom Ende?
– Kommunalpolitik –
Sparen im Teilort: Degerschlacht soll Standesamt verlieren
Der Erste Bürgermeister Robert Hahn stellte das Zukunftskonzept für die Bezirksämter vor. Die Räte zeigten Verständnis für den Sparkurs – bezweifelten aber die Verhältnismäßigkeit der geplanten Einschnitte.
Das war kein leichter Abend für den Ortschaftsrat Degerschlacht. Erster Bürgermeister Robert Hahn kam persönlich, um das Zukunftskonzept für die städtischen Bezirksämter vorzustellen – und dabei auch zu erläutern, was dieser Plan für Degerschlacht konkret bedeutet. Am Ende der langen Sitzung stand eine Anhörung, keine bindende Entscheidung. Doch der Gesprächsstoff war brisant genug.
Eines stellte Hahn von Beginn an klar: Die Stadt Reutlingen muss sparen, und die Teilorte werden dabei keine Ausnahme bilden. In Degerschlacht soll das Personal im Bezirksamt um zehn Prozent reduziert werden. Gravierender wiegt jedoch ein anderer Punkt: Das Standesamt soll aufgelöst werden. Beurkundungen, Geburts- und Sterbeurkunden – all das würde künftig nicht mehr vor Ort möglich sein. Wer heiraten möchte, muss das Aufgebot künftig in einem der drei für den Nordraum zuständigen Standesämter in Sondelfingen, Rommelsbach oder Ohmenhausen stellen. Die feierliche Trauung selbst kann aber weiterhin in Degerschlacht stattfinden – ein Standesbeamter käme dann eigens in den Ort.
Pikant dabei: Ausgerechnet Degerschlacht verzeichnet laut Statistik 45 Prozent mehr Besucher als alle anderen Teilorte zusammen. Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl machte keinen Hehl daraus, was sie von einer Personalkürzung unter diesen Vorzeichen hält. Schon jetzt springe sie bei Krankheitsausfällen regelmäßig selbst ein – aber das sei nicht auf Dauer möglich. Ihren Vorschlag, Personalengpässe zwischen benachbarten Bezirksgemeinden flexibel auszugleichen, nahm Hahn wohlwollend zur Kenntnis.
Auch die geplante Schließung des Standesamts stieß auf Unverständnis. Das Bezirksamt verfügt über zwei vollständig zertifizierte Standesbeamtinnen, die regelmäßig an vorgeschriebenen Fortbildungen teilnehmen. Solange ihre Zertifikate gültig seien, könnten sie ihre Aufgaben noch wahrnehmen, versicherte Hahn. Danach jedoch würden die Degerschlachter mit allen standesamtliche Angelegenheiten woanders hin müssen.
Zur Begründung der Zentralisierung verwies Hahn auf die wachsende Komplexität bei Vorgängen mit internationalem Bezug: Sobald Personen mit Migrationshintergrund beteiligt seien, fehle es den Bezirksämtern schlicht an der nötigen Routine – und die daraus resultierende Rückfragehäufigkeit bei der Hauptstelle binde dort wiederum Ressourcen. Positiv hervorheben wollte Hahn die Rentenberatung: Diese habe sich in Degerschlacht bewährt und solle ausdrücklich weitergeführt werden. „Das Rentengeschäft ist eine Wachstumsbranche“, sagte er.
Um Engpässe aufzufangen, hat die Stadt einen gemeinsamen Stellenpuffer von 0,9 Stellen für alle Teilorte eingeplant. Hahn empfahl den Räten, aufgrund der überdurchschnittlichen Besucherfrequenz einen Anteil davon für Degerschlacht zu beantragen.
– Abtsimmung-
Mehrheit will Standesamt in Degerschlacht erhalten
Mit deutlicher Mehrheit beantragen die Räte, das lokale Standesamt zu erhalten und einen Anteil am gemeinsamen Stellenpool zu sichern. Die Unsicherheit über die Umsetzbarkeit bleibt.
Am Ende einer langen, intensiven Sitzung stand ein klares Votum: Der Ortschaftsrat Degerschlacht stimmte mit acht zu einer Stimme dafür, dem Konzept der Stadt unter Vorbehalten zuzustimmen. Die Räte verknüpften ihre Zustimmung mit zwei konkreten Anträgen: das Standesamt im Ort zu erhalten – zumindest solange wie möglich – und aus dem städtischen Stellenpuffer von 0,9 Stellen einen Anteil von 0,3 Stellen für Degerschlacht zu sichern. Begründung: die im Vergleich zu anderen Teilorten deutlich höhere Besucherfrequenz.
Bezirksamtsmitarbeiterin Christiane Dürr hatte zuvor berichtet, dass ihr Vertrag mit der bisherigen Stundenzahl Bestand haben soll. Allerdings könne es künftig vorkommen, dass sie bei Bedarf auch in Nachbargemeinden eingesetzt werde. Bezirksbürgermeisterin Ute Dunkl machte ihren Kurs klar: „Wir müssen uns die Stellenanteile sichern.“ Dabei hofft sie zusätzlich auf Stellenanteile, die über Quartiersarbeit finanziert werden könnten.
Erster Bürgermeister Hahn zeigte sich grundsätzlich aufgeschlossen – gab aber auch zu bedenken, dass zwischen Absicht und Wirklichkeit bisweilen eine Lücke klafft.
„Der Wille ist da“, sagte er. „Ob die Umsetzung möglich ist, weiß ich nicht.“
Ein Satz, der die Stimmung des Abends treffend zusammenfasste: wohlmeinend, aber ohne Garantie.

– Randnotiz –
Degerschlacht rückt ins Blickfeld – Presse und Stadtrat zeigen Präsenz
Es war am Mittwoch bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Anja Weiß von der Lokalredaktion des Reutlinger Generalanzeigers persönlich zur Sitzung des Ortschaftsrates erschienen war. Bereits einen Tag davor hatte sie unter ihrem Namen den Bericht „Lückenschluss in Degerschlacht: Schnelles Internet kommt“ veröffentlicht. Vielleicht, so darf man hoffen, schließt sich da auch redaktionell eine Lücke: Wir würden uns freuen, wenn die Belange unseres Teilorts künftig wieder regelmäßig ihren Weg auch in die Spalten des GEA finden.
Neben der Journalistin hatte auch Stadtrat Sven Lange auf der Zuschauertribüne Platz genommen – Stift in der Hand, aufmerksam und ausdauernd bis zur letzten Wortmeldung. Bei einem Tagesordnungspunkt, der es wahrlich in sich hatte, war das keine Selbstverständlichkeit.
Über das Interesse der beiden freut sich auch
Eulalia, die Eulenfrau aus Degerschlacht
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– Kommunalpolitik –
Bezirksämter sollen Quartierszentren werden
Hahn betont seinen Willen, die Bezirksämter zu erhalten – und sieht in der sogenannten Quartiersarbeit ihre Zukunft. Konkrete Beispiele aber blieb er schuldig.
Ob dies der Anfang vom Ende der Bezirksämter sei – diese Frage lag an jenem Mittwochabend in der Luft, und die Räte sprachen sie offen aus. Erster Bürgermeister Robert Hahn antwortete klar: Nein. Er wolle die dezentrale Struktur erhalten. In Orten wie Degerschlacht, so Hahn, gebe es eine lebendige Mischung aus tief verwurzelten Alteingesessenen und engagierten Neuzuzüglern – genau das sei das Fundament für eine funktionierende Gemeinschaft.
Die Bezirksämter sollen künftig verstärkt als Orte der sogenannten Quartiersarbeit fungieren. Darunter versteht Hahn Angebote wie Schulungen für bürgerschaftliches Engagement, die zudem gefördert werden sollen. Als Beispiel verwies er auf Projekte im Umfeld der Kreuzkirche in Reutlingen und empfahl, unter dem Stichwort „Lebenswert Reutlingen“ im Netz zu recherchieren. Wirklich griffige Vorbilder aber blieb er schuldig. „Quartiersarbeit kann für jeden etwas anderes sein“, räumte er ein. Die Ideen müssten von den Bürgerinnen und Bürgern selbst kommen. Die Verwaltung schaffe lediglich den organisatorischen Rahmen.
Das klingt offen und partizipativ – lässt aber auch viel Interpretationsspielraum. Für die Räte bleibt die Frage, wie verbindlich dieses Versprechen ist und wie konkret die Unterstützung ausfällt, wenn Ideen tatsächlich eingebracht werden.
