Wem gehört der Wasserturm?

Er steht da oben wie ein stolzer Wächter, weiß gestrichen, mit spitzem Dach – ein echter Hingucker! Fast jeder hier nennt ihn ganz selbstverständlich den „Degerschlachter Wasserturm“. Kein Wunder, schließlich ist er von der Festhalle aus nur einen Spaziergang entfernt, wacht über unsere Felder und taucht auf fast jedem Wanderbild aus der Region auf.
Doch streng genommen – und das betonen manche ganz gerne – steht der Turm gar nicht auf Degerschlachter Boden. Offiziell gehört er zu Kirchentellinsfurt.

Ein Turm mit zwei Seelen?

Wie konnte das passieren? Nun, der Turm wurde 1924 gebaut, zur Wasserversorgung der Region – darunter Degerschlacht, Kirchentellinsfurt, Wannweil und andere Orte. Damals zählte der praktische Standort, nicht die Gemeindegrenze. Dass die Grenze heute just hinter der Festhalle verläuft, interessiert das Bauwerk herzlich wenig.
Aber uns Degerschlachtern interessiert es – denn der Turm gehört einfach zu uns. Er steht sinnbildlich für alles, was unsere Albkante ausmacht: klare Sicht, klare Luft, klare Ansage.

Kindergarten „Am Wasserturm“, Spaziergang „rund um den Wasserturm“, Plakate mit Turmsilhouette – der Turm ist längst Teil unseres Alltags und unserer Symbolwelt geworden. Und wer mit dem Bus nach Degerschlacht fährt, weiß: Von der Haltestelle „Rathaus“ ist es nur ein Katzensprung bis zum Fotospot mit Albpanorama und Turm.

Historisch, technisch, typisch Degerschlacht

Der Wasserturm wurde von der Neckar-Echaz-Wasserversorgungsgruppe errichtet, misst rund 21 Meter und war technisch seiner Zeit weit voraus. Heute ist er außer Betrieb, aber noch im Besitz von FairNetz (den Reutlinger Stadtwerken) und bleibt als Industriedenkmal erhalten.
Er ist ein typischer Vertreter der Wassertürme der 1920er-Jahre – mit achteckigem Grundriss, kräftigen Strebepfeilern und markantem Spitzdach. Kurz gesagt: ein Turm mit Charakter.

Fazit: Er gehört zu uns. Punkt.

Natürlich kann man darüber streiten, ob es korrekt ist, ihn „Degerschlachter Wasserturm“ zu nennen. Aber es gibt Dinge, die wachsen einem einfach ans Herz. Und wenn Generationen von Degerschlachtern diesen Turm als ihr Wahrzeichen betrachten, dann ist das nicht einfach ein Irrtum – das ist gelebte Ortskultur.

Hier verläuft die Grenze 
Der Wasserturm ist von hieraus leider von Bäumen verdeckt. Aber er ist da. Ich schwör!

Wusstest du schon?

  • Baujahr: 1924

  • Höhe: ca. 20,8 m

  • Fassungsvermögen: 156 m³

  • Standort: offiziell Kirchentellinsfurt

  • Eigentümer: FairNetz GmbH (Stadtwerke Reutlingen)

  • Heute: nicht mehr in Betrieb, aber denkmalgeschützt

  • Beliebt bei: Degerschlachtern, Wanderern, Kindergärten, Fotograf*innen – und eigentlich allen, die gute Aussichten mögen.

Ein Ort, der verbindet – nicht trennt

Direkt neben dem Turm steht eine Bank, ein bemalter Stein mit Naturgedicht, ein kleiner Schaukasten mit Miniaturlandschaft und liebevollen Botschaften. Kein Schild, das Besitz reklamiert, keine Grenze, die trennt – sondern ein stiller Treffpunkt. Für alle.

Vielleicht ist genau das die Wahrheit über unseren Turm:
Er steht auf der Grenze – aber er bringt Menschen zusammen.
(Mit einem Klick auf die Fotos könnt ihr auch lesen, was auf Stein und Tafel steht)